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Samstag, 29. Dezember
(Hamburg) Da ist es. Das Wort. Mein Wort, mein Jahresendwort, mit dem ich getrost ins neue Jahr schaue, auf das ich gewartet habe so lang: GIGA. Giga so wie Mega, also verstärkend: Ein GIGASCHRITT, sagt die Erotik-Fotografin zu mir, sei es für viele Frauen, zu ihr ins Atelier zu kommen. Und nochmal: ein GIGAschritt!
Da ist es. Ich habe immer darauf gewartet, dass Mega- nochmal getoppt wird. Dachte immer, dass Giga das naechste sein wird, nach Ober-, Super-, Mega-. Denn die Semantiker sagen: Solche Worte haben eine Verfallsfrist, danach muss was anderes kommen, wenn mega- nicht mehr das Obertollste ist, dann muss Giga- her.
Was kommt nach Giga- ?
Samstag, 22. Dezember
(im IC Westerland-Sylt) Ich steige hungrig in Itzehoe ein und schlaengele mich an Pappkartonsstapeln, die das freundliche Mitropa-Team mir in den Weg gestellt hat, zum Speisewagen durch (ganz in neuem rosa Schick, aber kein Platz fuer Handgepaeck. Wer darf eigentlich die Bundesbahn be-designen? Ich frage mich immer, ob sie erst noch eine Ausschreibung machen, oder ob sie gleich den Makramee-Club von Koenigs Wusterhausen darum bitten.). Ich bestelle, zuecke meinen Krimi.
Auftritt aelterer Herr mit kleinem Maedchen und groesserem Jungen im Schlepptau. Herr hat blonde Straehnchen, Ralpf-Lauren-Pullover brav mit rausstehenden Hemdmanschetten und Kraegelchen, volle Lippen, engstehende Augen, im gebraeunten Gesicht Falten, die auf viel Arbeit und viel Koks hindeuten, "LENchen, mein DARling, magst du dich dort hinsetzen, und DU, MARius, hierhin? Meine Kinder, wie schoen wir hier sitzen koennen." Ich behalte das Buch aufgeschlagen zur Tarnung. Dies verspricht, ein kostenloser Theaternachmittag zu werden. Und richtig. Der faltige Herr liest den Kindern die gesamte Speisekarte vor, als wuerde er einen Jahresabschlussbericht liefern. "Chili con Carne, mein DARling, das ist so was Mexikanisches." Bestellt dann "Spaghetti 'for our smaller guests' fuer meine Tochter", selbstverstaendlich hat er den englischen Teil der Speisekarte gelesen und seinen Kindern vermutlich uebersetzt, der kluge Junge. Ich bin begeistert. Er sei ja nun auch in diesem Jahr nur ZWEI Monate in Deutschland gewesen, und die ganzen auslaendischen Geldscheine hier in seinem Portemonnaie wuerden hier ja auch GAR NICHT akzeptiert. Die Kinder hoeren zu, wie man einem geisteskranken Onkel zuhoert, der einmal im Jahr auf Besuch ist. Marius fragt: Wieso seid ihr nach Muenster gezogen? Ja, weisst, du die Mama wollte das, wieder mehr REIten und so. - Interessant. Kinder im Internat, man sieht sich zu Ostern und zu Weihnachten, zwischendurch wird das Elternhaus transferiert, oder wie? Ich warte wirklich darauf, dass Lenchen und Marius diesen Mann mit Sie anreden, oder mit Herr Senator. Der Schaffner kommt. Der Senator hat seine Bahn-Karte (sic) vergessen. Nun, das koennen Sie sich spaeter erstatten lassen. Gut! Schaffner nennt Betrag. Senator zueckt 1000-Mark-Schein. Schaffner schluckt, haben Sie's nicht kleiner? Senator steckt 1000-Mark-Schein wieder ein, "nun, bis MUENster werden Sie ja GENUG Gelegenheit bekommen haben, Wechselgeld zu sammeln, NICHT WAHR?" Ob er nicht mit einer Karte zahlen koenne... nein, das will der Herr Senator nicht. Schaffner geht schliesslich zur Mitropa-Dame und schnorrt Wechselgeld. Es ist wirlich alles kaum zu glauben. Dieser Senator hat wahrscheinlich hier gerade sein letztes Geld in der Hand, Konten gesperrt, Haus in Kampen gepfaendet, und die Kinder halten ihn auch fuer einen alten Trottel. Es gibt schon Schicksale, Leute.
Donnerstag, 19. Dezember
(Hamburg) Ich tue so, als sei ich noch auf Reisen. Sitze in der U-Bahn und denke ueber die Hamburger Plakate nach, als sei ich zu Besuch.
Finde es auffallend, wie provinziell die Stadt sich zeigt. Wir lesen auf (jeder) U-Bahn-Plakatwand: zwei fromme Sprueche, von kirchlichen Vereinigungen aufgehaengt. Zwei Theaterplakate, eines Mundartliches, eines Vorstadt-Lach-Nummern annoncierend. Ein offizielles Theater-Uebersichtsplakat, doppelt so gross wie die anderen, aber immer noch sehr ueberschaubar, die Buehnen der Stadt vorstellend. Manchmal eine Ausstellungsankuendigung, Museum fuer Hamburgische Geschichte oder so, oder "Klassischer-Moderner-Kuenstler-Retrospektive-die Fuenfundfuenfzigste", Namen, die jeder kennt, im Rueckblick, ganzganzganz selten mal ein Name, den niemand kennt, mit einem aufregenden Plakat. Ganz selten.
Und das wars, Leute! Sieht das nicht ein bisschen nach Bielefeld, Passau, Sindelfingen, Merseburg aus? Nein, denn dort bemueht man sich mehr um grossstaedtischen Schick, vielleicht (und wenn man Knete hat) - weil man einen Kleinstadtkomplex hat. Beschaeftigt Designer, verbannt die christlichen Annoncen woanders hin... ich weiss es nicht. Hamburg kommt dagegen sehr modest daher. Es ist uns eben wurscht, nicht wahr: Wir SIND eine Grossstadt.
Man schaue zum Kontrast mal in Berlin aus der U-Bahn. Berlin ist auch alles egal. Aber die Plakatwaende sehen anders aus.
Mittwoch, 18. Dezember
(Hamburg) Die Tage sind kurz, die Dramolette auch. Die Umwelt hat nix Stimulierendes: Man trottet mit gesenktem Kopf. Es ist schon ein Trauerspiel. Keine Plakate am Strassenrand mit "Lassen Sie sich aus der Hand lesen, Mama McKenzie macht das ganz billig" heitern uns auf. Autofahren in Amerika ist schon toll. Man sollte meinen, es sei langweilig. Ist es nicht. Es ist hundert Mal interessanter als in Hamburg zur U-Bahn zu latschen. Z.B. dieses Plakat an der Autobahn, schwarz mit weissen Buchstaben: "'Wissen Sie, was Sie tun?' - Gott.".
Dienstag, 17. Dezember
(Hamburg) Das Wetter ist so, dass man es nicht unkommentiert lassen kann. Gluecklich, wer das Haus nicht verlassen muss. Haben wir so etwas schon mal erlebt? Kaum draussen, wird einem der Regenschirm aus der Hand gerissen. Nach zwei Schritten schon ist der Tag perdu, und die Gewalten zeigen, dass sie staerker sind: Eisige Tropfen sickern in den Kragen, Wind und Wetter geben uns Backpfeifen (beim Segeln ist es manchmal aehnlich. Vielleicht troesten wir uns damit, dass es sich hier und heute nicht um unseren 'Urlaub' handelt.)
Sonntag, 15. Dezember
(Hamburg) Ach so, das mit Schill war nicht nur ein boeser Traum? Ganz schoen: www.schill-out.de.
Freitag, 14. Dezember
(Hamburg) Zwei Grad minus. Leckere klare Luft. In Florida gibt es Tage, da moechte man sagen: "Schatz, koenntest du dir angewoehnen, nach dem Duschen mal zu lueften?" Ehrlich. Sehr feucht, manchmal leicht abgestanden. Waesche trocknet nicht. Aber so warm... und das ganze Getier im Sumpf... und so freundliche Taxifahrer, die wissen, was sie tun... denke ich jedenfalls, als ich hier im Taxi nach Hause sitze. Dieser Mann weiss nicht, was er tut. In Amerika cruist man. Hier schrotet man. Und selbstverstaendlich hilft er uns nicht beim Gepaeck. Warum auch. Bin ich Taxifahrer oder Gepaecktraeger? Bitte sehr, es muss Hierarchien geben, gnaedige Frau.
Freitag, 14. Dezember
(London Heathrow) Europa. Land der Lederschuhe und der schlanken Menschen (ich bin boese, aber es ist wahr). Man traegt Camper und schaut arrogant, die Kinder sind schlecht erzogen, man rempelt sich an und entschuldigt sich nicht. Es gibt den Oxfordschuh fuer Damen von Bally. Ich halte es doch fuer eine Art von Kultiviertheit, auch Frauen vernuenftige Schuhe zu offerieren. Trotzdem: In Amerika machen alle den Eindruck, als wuessten sie, was sie tun. Egal, was: Man tut es mit Ueberzeugung. Hier nicht.
Donnerstag, 13. Dezember
(Miami, Florida) Am Flughafen. Wer wird kurz vor dem Einstieg ins Flugzeug durchsucht? Annette. Mein Rucksack ist wirklich voll, und es dauert wirklich lange. Die Sucherin ist diesmal eine Frau, immerhin. Sie ist halb so gross wie ich. Der letzte Durchsucher, vor vielen Wochen in Salt Lake City, war auch halb so gross wie ich. Vielleicht ist das ein Durchsuchungskriterium: Groesse. Vielleicht ist es auch das rote Kopftuch. Jedenfalls nervt es. Neben mir wird noch eine Frau durchsucht. Sie ist freundlich. Ich nicht.
Mittwoch, 12. Dezember
(Von Tallahassee in die Everglades) Wir fahren 500 Meilen mit einem Mietauto. Nach 100 Meilen tun uns die Ruecken weh. Na also, Krepel - das war unser Auto, unser eigenes - hatte doch was Gutes: Man konnte 8000 Meilen fahren, ohne dass der Ruecken wehtat. Ansonsten hat dieses Mietauto allen moeglichen amerikanischen Schnick Schnack (man nennt das hier Schlock): Schalter zum Tueren-von-innen-schliessen. Tueren sind sowieso standardmaessig waehrend der Fahrt abgeschlossen, aber man kann ja ab und zu mit dem Schalter auf- und wieder abschliessen. Ausserdem: Cruise Control. Geilomat. Jetzt verstehe ich endlich, warum die Leute beim Ueberholen nicht auf die Tube druecken. Dann wuerde die Cruise Control rausspringen, und es ist ja so anstrengend, sie dann wieder einzustellen. Dann: beleuchtete Spiegel in den Sonnenblenden oder wie die Dinger heissen. Groessenverstellbarer Kaffeebecherhalter (jetzt wuerde ein Amerikaner sagen: "Die Deutschen mit ihren Bandwurmwoertern, neeneenee"). Undsoweiter. Ansonsten ist dieses Auto Schlockschlockschlock. Kein Sound, kein Speed. Der Aussenspiegel schlackert (noch ein Wort mit schl). Ueberhaupt. Amerikanische Autos. Amerikanische Waschmaschinen. Amerikanische Steckdosen. Alles Schlock. "Hoechster Lebensstandard der Welt?" Pah. Auf dem Campingplatz am suedlichsten Festlandsende Amerikas. Tuete Nudeln liegt einsam auf Tisch, ich, weggedreht, am Auto, kruschtend. Kraehe kommt, hackt Tuete auf, holt Nudel raus. ich sackzementnochmal, springe hin. Kraehe hat human-approach-speed-calculating-algorithm und weiss genau, wieviele Nudeln sie noch klauen kann, bevor ich zu nahe bin. Geier sitzt auf Rasen, schaut zu. Kraehe ab. Ich wieder zum Auto. Sackzement. Geier huepft heran - Geier huepfen so, als spraengen sie Trampolin: boingboingboing. Geier huepft zu Zeltbeutel auf dem Rasen. Denkt darueber nach, ob das ein Partner fuer die Nacht waere. Muss den Kopf schieflegen zum Denken.
Montag, 10. Dezember
(Tallahassee, Florida) Heute Krepel verkauft (das ist unser Auto). An den Autohaendler mit Universitaetsabschluss. Gestern, Sonntag, hat zwar jemand per Anrufbeantworter Interesse bekundet, war dann aber nicht mehr zu erreichen. Ist uns auch egal (war irgendwie klar. Dieses Auto bedeutet einfach Verlust, das wissen wir schon lange).
Jerry Huber, der Autohaendler, hat uns zu verstehen gegeben, dass er bei seinem Preis bleibt ("ich koennte weniger zahlen, das wisst ihr!"). Damit hatte sich die Frage erledigt, ob man vielleicht doch noch einen Hunderter mehr... Krepel wurde seiner Schilder entledigt, und wir haben nicht mal zurueckgeblickt, als wir ihn verliessen.
Auch hart. Immerhin hat dieses Auto 8.000 Meilen fuer uns zurueckgelegt. 12.800 Kilometer. Bitte sehr. 300 Dollar Sprit. Ca. 30 Tankstellenbesuche. Zwei Liter Oel. Zwei Autowaeschen samt Saugaktionen (fuers Verkaufen). Drei Mechaniker haben ihre Haeupter ueber den Motor gebeugt; ihre Rechnungen liegen insgesamt bei ungefaehr der Betragshoehe, die wir als 'worst case' angenommen haben. Negatives Denken hat sich also bewaehrt. Da gibt es ueberhaupt nichts dran herumzudeuteln.
Unser Maskottchen, inzwischen auch Krepel genannt (ein Baerchen mit erstaunlcih langen Beinen), hat uns vor Erfrieren, Verhungern, dem Ford-Escort-Wuerger - wohnhaft in der Mohave-Wueste - und Fahrern aus Iowa bewaehrt. Die luxurioese kalifornische Autoversicherung musste also nicht bemueht werden. Wir kriegen sogar Geld zurueck. Die Versicherung hat nur eine halbe Monatsmiete gekostet, bitte sehr, da kann sich niemand beschweren.
Krepel II ist jetzt das liebste Stofftier des Sohnes unserer Gastgeber. Vielleicht ist 'Krepel' das erste Wort, das er lernt...?
Wir werden heute abend ein Glas Sekt auf das Auto trinken.
Samstag, 8. Dezember
(Tallahassee, Florida) Aus einer Axel-Springer-Pressemitteilung: Die Redaktionen von "Berliner Morgenpost" und "Welt" werden zusammengelegt. Man spricht von "Inhalten" und ihrer synergetisch effizienteren Nutzung. Das ist natuerlich eine total bescheuerte Idee, und nur der Axel Springer Verlag kann so eine Idee haben (ohne vorher drei Joints geraucht zu haben) und auch noch umsetzen. Trotzdem, Leute, diese Idee ist total zeitgemaess. Warum? Erstens ist die Idee nicht neu, denn jeder Krethi-und-Plethi-Onlinevermarkter hat sie und setzt sie um: Er kauft ein Content Management System, setzt Redakteure dran und laesst Inhalte produzieren. Diese Inhalte werden dann an verschiedene Abnehmer verkauft. Das heisst, ein Redakteur schreibt fuer verschiedene Medien. Der Verlag spart dadurch Arbeitsplaetze. Aus eins mach 15. Klasse. Nebenbei und zweitens entsteht dabei ein neues Wort, naemlich "Inhalte". Frueher sprach man von Texten, jetzt sind es Inhalte. Inhalte sind das, was man mit 'Copy' und 'Paste' von A nach B transferiert. Inhalte zeichnen sich nicht durch eine besondere stilistische oder ideologische Praegung aus; man kann sie also keinem Medium zuordnen. Inhalte sind kompatible Informationstraeger. Info-Sauce, vielleicht. Bei Kino-Tipps und Schminkberatungen ist das auch nicht weiter tragisch. Wenn man dann also schon so weit ist, auch bei Zeitungen von deren 'Inhalten' zu reden, dann ist der Schritt nah, auch in Print-Redaktionen einen Redakteur fuer zwei Medien produzieren (!) zu lassen. Ehrlich gesagt, ist das nun ja auch nicht so schwer bei Welt und Mopo, oder? Stellt euch nicht so an! Jeder Redakteur kriegt einen Waschzettel, auf dem steht: (1) Text schreiben. (2) Fuer die 'Welt': Alle 100 Woerter ein Wort in ein Fremdwort verwandeln; alle 200 Woerter das Wort 'Sozialdemokrat' in Zusammenhang mit 'vaterlandsloses Gesindel' oder 'koennen-mit-Geld-nicht-umgehen' bringen. (3) Fuer die 'Mopo': Alle Fremdwoerter raus. Alle hundert Woerter 'Bolle' oder 'ick' verwenden. Alle 200 Woerter einen gemeinen Witz ueber die Bonner Zugezogenen machen. Das war's. Bitte sehr. Uebrigens kann man das sicher auch durch ein schlaues Content Management System machen lassen. Der Redakteur kann derweil eine rauchen gehen. So ein grosser Verlag wie Axel Springer hat doch alle Moeglichkeiten! Da man sich verlagsintern eh nie gross um journalistische Vielfalt bemueht hat und es fuer einen Welt-Redakteur eine Ehre ist, mal bei der 'Bild' gearbeitet zu haben - wenn schert es da noch, dass man demnaechst fuer beide arbeitet? Ist doch klasse! Morgens ein konservativ-bildungsbuergerliches Pamphlet ueber Joschka Fischer verfasst, mittags die Groesse des Busens fuer den Bild-Aufmacher begutachtet, abends ein Bericht ueber Hundescheisse in Schoeneberg. Ich kann mir nix besseres vorstellen.
Freitag, 7. Dezember
(Tallahassee, Florida) Seit sieben Tagen fahren wir mit diesem Auto herum, eintausend For-Sale-Schilder drauf, in vier Zeitungen annonciert, keine Sau interessiert sich dafuer.
Nun denn, wir suchen einen Haendler auf. "Hey, warum fahrt ihr damit nicht zurueck nach Kalifornien," sagt er mit Blick auf unser Nummernschild. Gute Frage, eigentlich! Er setzt sich ins Auto, prueft als erstes die Klimaanlage. Einwandfrei. Ice-Cold AC, sagen wir (den Ausdruck haben wir inzwischen gelernt, sehr wichtig). Er laesst den Motor an. "Seid ihr auf eurer Fahrt auch in South Dakota vorbeigekommen?" Nein (wir heucheln Bedauern, denn die Frage laesst darauf schliessen, dass mindestens seine Grossmutter in South Dacota begraben ist, anders ist die Frage nicht zu verstehen.) Richtig, so ist es. Er ist da aufgewachsen, in einem Dorf mit lauter Deutschen (im Nachbardorf waren lauter Norweger, usw.) Kann er Deutsch? Leider nicht mehr. Aber er lernt Spanisch, mit einem Computerprogramm. Er hat an der Universitaet von Santa ... Mist, ich habe es vergessen, aber an einer Universitaet in Kalifornien studiert (ich habe ihm nicht die Frage gestellt, warum er jetzt mit Autos handelt. Haette meine Verhandlungsbasis womoeglich untergraben.)
Er haelt uns einen Vortrag darueber, warum er findet, dass alle Einwanderer Englisch lernen muessten: Seine Vorfahren haetten es auch so gemacht, und es ist unmoeglich, das oeffentliche Leben mit lauter verschiedenen Sprachen zu organisieren. Er bringt die ganzen "English-Only-Argumente" sie werden gerne von Leuten vorgebracht, die in erster oder zweiter Generation im Land sind: Sollen sich doch die Mexikaner genauso anstrengen wie wir! (um die Hispanos dreht es sich bei der Debatte naemlich eigentlich). Und: Das Land wird unregierbar, wenn es nicht eine einzige Sprache gibt!
Ich lasse das hier mal unkommentiert stehen, weise aber darauf hin, dass wir diese tiefsinnige Diskussion mit einem Autohaendler gefuert haben. Alle anderen uns bis dato bekannten Autohaendler waren eindeutig einer anderen Spezies zugehoerig, blickten verschlagen aus ihren Ganovengesichtern und waren oft in Begleitung dubioser Gorillas, die wohl dafuer da sind, unbequeme Kunden loszuwerden. Man ist diesen Menschen ausgeliefert, schrecklich.
Wie angenehm war doch da Jerry Huber ("not 'Huber' - 'Juber'!") aus South Dacota.
Mitten im Gespraech liess er das Wort 'Fifteenhundred' fallen. Nach einigen Sekunden begriffen wir, dass damit der Preis gemeint ist, den er fuer unser Auto zu zahlen bereit ist. 1500. 300 unter dem Haendler-Listenpreis. 1300 unter dem Privat-Verkaufspreis. So ist das Leben. Aber Jerry Huber ist bislang der einzige, der das Auto UEBERHAUPT kaufen will. Der es ueberhaupt auch nur angesehen hat, um genau zu sein. Ich verstehe die Anti-Auto-Gesetze dieses Landes nicht (na, aus welchem Asterix...?).
Dienstag, 4. Dezember
(Tallahassee, Florida) Wir schlafen im VW-Bus von Barbara und Kuno, unseren Floridaner Gastgebern. Sehr gemuetlich. Wir gehen paddeln und sehen Manatis, das sind Seekuehe. Sehr behaebig. Tauchen unter den Kanus durch, als waere es nix, und gruendeln im Schlamm. Dann kommen sie hoch und prusten und verteilen Schlamm auf der Wasseroberflaeche. Dafuer halten sich die Alligatoren bedeckt. Kein Gator zu sehen, weit und breit. Aber wir sind ja noch ein bisschen hier. um den Herrschaften aufzulauern. Inzwischen annoncieren wir unser Auto, das jetzt ja sogar eine neue Kupplung hat (wer hat das schon?). Es interessiert aber niemanden. Rezession.
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