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Dienstag, 27. Januar
Draußen peitschen Böen übers Wasser. Winter von der ekligsten Sorte, ohne Schnee, irgendwie warm, aber windig, also doch irgendwie kalt. Fisselregen. Nicht mal eine Ente ist hier am Balzen. Wo soll das hinführen? Das ist die Apokalypse. Und im Fernsehen: Nur Filme, in denen das WTC vorkommt, dick und fett. Es gibt naemliche viele Filme, in denen das WTC vorkommt. Und die durften ja monatelang nicht gezeigt werden. Also hat das Fernsehen jetzt einen WTC-Stau. Das muss jetzt alles abgearbeitet werden, Leute! So ist das.
Dienstag, 22. Januar
Draußen peitschen Böen übers Wasser. Winter von der ekligsten Sorte, ohne Schnee, irgendwie warm, aber windig, also doch irgendwie kalt. Fisselregen. Was wir nicht wissen: Der Frühling ist nicht weit! Denn die Balz hat begonnen auf dem Osterbekkanal. Ein Blesshuhn-Mann springt dem Rivalen auf den Rücken und tunkt ihn, die Auserwählte schwimmt drumherum und feuert ihn an, "gib's ihm, da, da und da!". Der Rivale sucht das Weite. Der Frühling ist schon da.
Montag, 21. Januar
Schöner Film im Kino: "Walk Don't Walk". Über das Gehen in New York. Kommen viele Frauen vor. Frauenbeine, Frauenschuhe. Pumps mit hohen geraden Absätzen (die nach einwärts geschwungenen trägt man nicht in Downtown, Downtown ist der Ort, an dem gerade bis nach auswärts gestellte - leicht pyramidale - Riesenabsätze getragen werden). Die Zwillingstürme kommen auch vor, in der Anfangseinstellung. Das Premierenpublikum sieht darüber hinweg. Das ganze Thema mit den Flugzeugen wird total ignoriert. Man freut sich mit dem gutgelaunten Regisseur. Als wär nix gewesen. Es würde auch nichts, gar nichts bringen, das Thema hier anzuschneiden. Also lasse ich es und trinke mein Bier.
Sonntag, 20. Januar
Kabel1 hat auch die besten Filme. Gestern: "Geheimnisvolle Insel". Hat sicher ein Bruder von Ed Wood gedreht: Kultiges B-Picture mit Riesenvögeln und -krabben aus Pappe und einem Heißluftballon im Studio-Sturm, Spielzeug-Schiff wird aus der Badewanne gehoben, das soll dann die Wrackbergung sein etc. Köstlich, sehr zu empfehlen. Super auch, dass man von einem "Westwind" von der amerikanischen Ostküste über das Festland bis zum Pazifik geweht wird. Ostwind oder Westwind? Denken die Amis anders? Hat der Übersetzer gepennt? Egal.
Samstag, 19. Januar
Sinds die Oochen, geh zu Mampe gieß dir eenen uff de Lampe kannste allet doppelt sehn musste nich zu Ruhnke gehn!
Soviel zum Thema "Balin, wa!".
Berlin ist eben ("ehmt") pragmatisch. Die real existierende Eckkneipe hat schon immer alles heil gemacht, mit "Mampe halb und halb", dem pappigen Kräuterlikeur, "Kobolz-Wasser" genannt (Kobolz: Überschlag). "Wenn de dich davon besäufst, denn gehste rückwärts!" Man muss ehmt einen Berliner Onkel haben, der einem alles erklärt. Sonst kommt man ja ins Schleudern, wenn man seine Hauptstadt nicht kennt! Jetzt, wo die Rucksack-Berliner (=Zugezogenen) das Sagen haben. Aber ätsch, Berlin ist anders, gell, und die Grünen machens vor: Schluss mit der Schwaben-Vormacht aus Stuckdecken-Schöneberg! Dit is Polletick. Wa!
Freitag, 18. Januar
Das Wetter ist Mist. Also sehen wir uns "Lawrence von Arabien" an. Toller Film. Über zwei Stunden kommt keine Frau vor (jedenfalls keine lebende).
Bei "Independence Day" kommen Frauen vor. Die einzige, die sich für mehr als ihren Mann und ihre Kinder interessiert, ist eine ekelhafte Karriereschnalle. Ein herzloses Weib! Mann, hüte dich vor diesen Hillarys! Rodham Clinton, was ist das schon für ein Name! BUSH muss man heißen, zuhause bleiben und Männe nicht reinquatschen, jawoll! "Independence Day" hat die Präsidentschaft des Mannes aus Texas, der selbst durch eine Pretzel der Ohnmacht anheimfällt, würdig vorbereitet.
Sonntag, 13. Januar
Also bitte: Was machen die Amerikaner auf Kuba? Ich möchte, dass mir das jemand erklärt. Tausend Jahre lang boykottieren sie dieses Land, nichtmal eine lumpige Fähre fährt da hin von Miami, aber gefangene Taliban, die kann man da hin bringen. Wer erklärt's mir?
Ich stelle fest: Wir leben wieder im Normalzustand. Denn Pro7 bringt "Independence Day". Das ist übrigens ein toller Film. Fazit: Hast du einen Campingbus, bist du besser dran als die, die keinen haben, denn du kannst dich vor den Außerirdischen retten damit. Wieder ein Beweis, wie sehr Hollywood dem Herrn Johnny Durchschnitt huldigt, denn Johnny Durchschnitt LIEBT seinen Campingbus.
Samstag, 12. Januar
Samstag nachmittag: Drei ??? hören und Knöpfe annähen.
Keine Ahnung, warum wir auf die Idee kamen, diese Drei-???-Cassetten mit auf unsere Fahrt durch Amerika zu nehmen. War aber toll: Fahrer fährt, Beifahrer lümmelt sich auf dem Rücksitz zwischen Kekskrümeln und Landkarten, schaut zum Seitenfenster raus und zeigt den Truckfahrern eine lange Nase, genau in dem Moment, als dieser impertinente Justus Jonas wieder alle auf die Folter spannt. Bisschen wie damals, Als Wir Noch Klein Waren.
Donnerstag, 10. Januar
Kabel1 hat so tolle Reportagen. Die Geschichte eines Wohnblocks, der über eine Autobahn gebaut wurde. Natürlich in Berlin, der erstaunlichsten Stadt des Universums. Dort wohnen lauter Berliner und knödeln herum, wa, ick, ganz oben wohnt eine Dame, die sich selbst als feine Dame bezeichnen würde. Zeigt stolz ihre schicke Wohnung. "Und von hier aus sehe ich ganz Berlin, die ganze Siljuhette".
Dienstag, 8. Januar
(Hamburg) Heute ein Gedicht: "Der Schweinswal trifft den Alligator und denkt: Das ist der Terminator."
Montag, 7. Januar
(Hamburg) Mann auf dem U-Bahn-Bahnsteig. "Jaaaaa der Euro der EURO jahaaaaa dreckige Münzen, hahaaaaaa." Dieser Mann redet mit sich selbst. Er sieht dabei niemanden an, anders als der Italiener vom 2. Januar. In Wien war es ja auch sehr üblich, dass man an grauen Wintertagen öffentlich mit sich selbst redete. In Wien war es aber auch sehr üblich, dass man nach dem 25. Achtel im "Alt Wien" oder beim Heurigen die Hosen herunterließ, um Philosophische Monologe zu halten. Wenn man ein Mann war, bitte sehr. Wie lang wird es dauern, bis die Hamburger von den Wienern nicht nur die Selbstkonversation, sondern auch noch die öffentliche Entblößung übernommen haben?
"Wien soll nicht Chicago werden", plakatierte der unsägliche Kärntner Haider vor Jahren. nee nee Leute, da müssta keene Angst vor ham, wa. (Sowas kann sich nur ein gottserbärmlicher Provinzler ausdenken. In Kärnten steht auf nacktes Philosophieren bestimmt die Eiserne Jungfrau).
Donnerstag, 3. Januar
(Hamburg) Mann auf der Straße. Hose auf halb acht, torkelt bedenklich. Das an einem so schoenen Winternachmittag, es scheint die Abendsonne in den Osterbekkanal... Er torkelt, ruft einer Frau hinterher: "Marion!" Sie geht 50 Meter vor ihm und ignoriert ihn völlig. Nebenbei läuft sie ziemlich geradeaus, im Gegensatz zu ihm. "Marion!" Keine Reaktion. Er sucht Hilfe bei uns. "Habt ihr maln Handy?" "Nee, wieso?" "Ich willn Peterwagen holen. Die Frau da vorne ist orientierungslos."
Das finde ich jetzt bitte sehr ganz toll. Fünf Minuten später sehen wir ihn, wie er mitten auf dem Gehweg in den Schnee pinkelt. Marion ist längst über alle Berge, die kluge Frau.
Mittwoch, 2. Januar
(Hamburg) Mann in der U-Bahn, wirft sich mir gegenüber auf den Sitz, verströmt Mottengeruch. Redet auf mich ein. Redet aber nicht mit mir, sondern mit der freundlichen Frau von der U-Bahn-Haltestellen-Ansage. "Jahaaaaa, Sierichstraße, hahaaa, damals, war das eine tolle Frau, uhuuu, hat mich rausgeschmissen wegen diesem ha, diesem hahahaaa, tooollle Frau. Eieiei Silvester, war das ein, hahaaaa, Kuddelmuddel, hihiiii, musste ich viel STAUB aufwischen hinterher.' Sieht mich an. 'Ich will nach Siena gehen. Ne nach Montepulciano.' Schreit 'Scendere!' Steigt aus.
Ich glaube, er war Italiener.
Dienstag, 1. Januar
(Kiel) Auch in Kiel tuten zu Silvester die Schiffe. Das ist schön. Schnee, Raketen, Schiffssirenen.
Heute war der Schnee weg. Ueberall liegen die Böllerreste herum. Kiel ist trostlos, am Hauptbahnhof, diese ewige Baustelle, daneben so ein Multiplex-Vergnügungs-Etablissement, mit der 'verrücktesten Disko der Welt', dem obligaten Irish Pub, Kegelbahn und überall diese amerikanische Deko, Skyline amerikanische Stadt plus Flaggen, fühle mich plötzlich jenseits des Teiches versetzt. Wahrscheinlich kann man diese Multiplexe irgendwo in einem Katalog bestellen. Wie die McDonalds-Inneneinrichtung. Es ist trostlos.
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