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Dienstag, 30. Dezember
(Hamburg) Ein Barmbeker Traditions-Uhrenladen gibt auf. Ich weine keine Träne, denn die hochnäsige Besitzerin hat alles getan, um mich, einen großen Fan von Traditionsläden, zu vergraulen. Reparatur? "Nein, _sowas_ machen wir nicht." Was sie machte, war mir nicht klar, da ich dort nie jemanden reingehen sah; ich hätte ihr ja gerne auch ein Uhrenarmband oder mal ne Swatch abgekauft oder sie eben mal in meine Omega-Uhr aus den 30ern gucken lassen, die inzwischen ne Viertelstunde nachgeht; in meiner romantischen Vorstellung ist das die Lieblingsbeschäftigung von Traditionsuhrläden, aber nein: Sie verkaufte einfach nur das grauslichste Zeug, was man sich vorstellen kann (also, das heißt, sie verkaufte _eben nicht_ das grauslichste Zeug, das man sich vorstellen kann, da ja kein Schwein reinging in den Laden,
komisches Geschäftsmodell), da hab ich mich nicht mal getraut, nach einem Uhrenarmband zu fragen, so grauslich war das alles, und von Swatch nicht zu reden. Selbst von Glashütte - war wohl so eine Art Rettungsaktion, jetzt auch Glashütte anzubieten, Manufaktum in Barmbek, sozusagen - also, selbst von Glashütte hatte sie nur Scheußlichkeiten.
Nun hat die hochnäsige Besitzerin also aufgegeben, und wir werden von den Auflösungsarbeiten angezogen wie die Geier: Es liegen vor dem Laden nämlich haufenweise Buchstaben, da, ein E, ein R, und, naja, das K hängt noch... Buchstaben von der Ladenleuchtschrift, große schwarze Staben, wunderschön, müssen wir haben, und wenn wir dann auch noch ein ERK daraus formen können.... der Leuchtschriftabmontierer respektiert unsere glänzenden Augen und geht rein, um die hochnäsige Besitzerin davon zu überzeugen, uns diese Buchstaben zu überlassen. Unser Mut sinkt, denn in dem Moment sehen wir den Zettel an der Ladentür: "Wegen Ladenauflösung: Dekorationen und Stellagen zu verkaufen!"
Zu verkaufen. Bekloppt. Die will uns bestimmt auch die Buchstaben verkaufen, wie der Schlemihl in der Sesamstraße, hier, eine 8, und ein B, hier, ganz billig, hu, huuuu huuuuuuuuuu! Der Leuchtschriftenabmontierer wedelt mit den Armen, er ist unser Advokatus, wir stehen draußen und warten, sie wedelt auch, aber eher, wie man sich lästige Fliegen wegwedelt, dann kommt sie nach längerem Diskurs endlich raus und - na, wird sie uns die Buchstaben verkaufen? Nein, also, wenn Sie die unbedingt haben wollen, dann nehmen Sie sie! So hat man das. Sie lässt es sich nicht nehmen, wenigstens hyperhochnäsig zu sein, wenn sie uns schon kein Geld abnemmen kann (was könnte man für so ein ERK wohl nehmen? Ach, vielleicht tut sie mir doch Leid, die arme Ladenbesitzerin, und immerhin haben wir ihr diese Buchstaben zu verdanken, mit 50 Jahre Barmbeker Ruß dran).
Wir legen E und R unter einen Busch und sagen dem Leuchtschriftabmontierer, dass wir das K später abholen, wenn er es abmontiert hat. Wir machen Einkäufe und kommen nach einer Stunde wieder. Der Abmontierer ist weg, die Buchstaben alle runter von der Wand, und da: Er hat uns das K ganz nett auf E und R draufgelegt. So. Service zahlt sich aus! Hätte er noch ein Kärtchen dazugelegt, ich hätte ihn gebucht, wenn ich mal Buchstaben abzumontieren hätte.
Montag, 29. Dezember
(Hamburg) Meine Lieblings-Email dieses Jahr ging so:
--- >> Ach. > Kchchchchch.
Ph. ---
Dit is Liebe wa.
Sonntag, 28. Dezember
(Hamburg) Ich bin gegen diese neuen Mainzelmännchen. Sie erheitern mich nicht. Sie geben mir nicht diesen biografischen Rückbezug: Fernsehen gab es nur bei Oma, und nur in kleinen Prisen, natürlich, der Fernseher hatte drei Knöpfe, grün, blau, rot, wie sinnig, die Oma hatte die Beine hochgelegt und strickte diese unglaublichen Riesendecken, die ihr bereits beim Stricken die Beine wärmten (ich hab die heute noch). Der Opa schaute kaum hin, nur dann und wann, wenn Klimbim lief, dann schaute er sehr genau hin, dann wurde die Oma aufmerksam und - "Kind, jetzt aber ins Bett!" So. Das war Mainzelmännchenwelt, und
Onkel Otto, wenn das jemandem hier was sagt, und jetzt bin ich ein bisschen traurig. Gu'n Aaaaaahmd.
Samstag, 27. Dezember
(Hamburg) Die Sache mit dem Glück ist sehr einfach. Man nehme: Zucker, Wasser, Orangen, Rotwein. Zucker in die Pfanne, mit Wasser bedecken, so lange kochen lassen, bis der Zucker hellgelb karamelisiert und köstlichen Bonbonduft verströmt. Dann mit Wein ablöschen (man hat dann so einen Karamelklumpen, der sich aber nach und nach auflöst), Orangensaft und Orangenschale dazu (guter O-Saft tut es auch). Auf die Hälfte reduzieren lassen; man kann auch so weit einkochen lassen, bis es richtig zäh wird - eine köstliche Substanz. Ein paar Flöckchen eiskalter Butter rein, Salz, weißer Pfeffer.
Damit veredelt man alles. Sogar 'Kloß mit Soß'. Harr harr. Besonders köstlich schmeckt es aber zu einem glücklichen Rinderfilet, schön im Töpfchen poeliert, gell, also auf ein Wurzelgemüsebett setzen, geschmolzene Butter drüber und auf dem Herd schmurgeln, dann im richtigen Moment (ach ja, der richtige Moment) Deckel weg und in den heißen Ofen. Das ist Glück. Ganz einfach.
Freitag, 26. Dezember
(Hamburg) Man nehme: Die Hände von den Augen.
Dienstag, 23. Dezember
(Hamburg) Ich schlafe nicht. Ein Zustand, der normalerweise zu erhöhter Gedichtsproduktion führt. Aber nicht bei mir. Denn die Sprache ist eine Verräterin, sage ich euch, liebe Freunde und Förderer des bittersüßen Dramoletts, die Sprache, diese Kanaille, verlässt uns immer dann, wenn wir sie am dringendsten brauchen; im Kopf Klarheit, aber auf der Zunge Salat - was für ein Reinfall.
Deswegen ein Liebesgedicht. Ach nein, lieber ein Märchen. Ein Frühlingsmärchen. Schließlich - werden jetzt immer hin die Tage mal länger. Da kann sich doch keiner beschweren. Mir doch wurscht, dass der blöde Osterbekkanal zugefroren ist. Sollen die doofen Möwen doch eiswärts auf einem Bein stehen und mir auf die Tastatur glotzen. Pah. Also:
Spielt ein Neger auf der Flöte Palestrina, am Girardiplatz, im Jänner, wenn es schneit, ja, dann teilen sich die Wolken über China und in Moskau spricht die jüngste Ballerina: "Es ist Frühlingszeit!"
Dreht ein Mädchen namens Mia sich gen Mekka, und der Wind zerreißt das Band auf ihrem Hut, ja, dann wird man in Skutari plötzlich kecker und in Sofia beginnt ein Streik der Bäcker. Dann ist alles gut.
Flötenunterricht kann nicht viel kosten. Und Palestrina sollte jedermann studieren. Und die Mia dreh ich selber gegen Osten. Nur muss man das genau synchronisieren.
Denn dann teilen sich die Wolken über China und am Balkan ruft man froh: "Es ist so weit!" Und in Moskau spricht die jüngste Ballerina: "Es ist Frühlingszeit".
(von dem göttlichen Georg Kreisler vor langer langer Zeit gedichtet.)
Montag, 22. Dezember
(Hamburg) Mit einem Aperol/lacht es sich nochmal so toll.

Freitag, 19. Dezember
(Hamburg) Mein Leben ist in Unordnung, also gehe ich ins Caféhaus (mein Leben ist eigentlich hauptsächlich deswegen in Unordnung, weil es in Hamburg so wenige vernünftige Caféhäuser gibt. In Wien gibt es massenweise vernünftige Caféhäuser, und ich frage mich beinahe täglich, wie ich diesen unglaublichen kulturellen Vorsprung der kakanischen Hauptstadt hier kompensieren kann, hier, in der Hauptstadt des ... ja, was? Ich zweifle. Mein Leben gerät in Unordnung. Also gehe ich ins Caféhaus. Klammer zu).
Es ist ein Caféhaus der alternativen Sorte, also lasse ich aus purem Spass an der Freude taz und Junge Welt links liegen und greife mir Gala und GQ. Gala nur zum neben-mich-legen und wissende ach-so-eine-ist-das-Blicke auf mich ziehen. GQ, um - naja, darum halt. Und ich sage euch:
Männer sind nicht schlauer als wir, hahaaa, neiiiin, niemals, aber sie "halten sich für schlauer", und das sieht man an GQ. Sie halten sich einfach für eine schlauere Zielgruppe, siehe GQ, man lege mal Allegra und GQ nebeneinander, also, bitte sehr, die Allegra war auch mal schlau mit Sibylle Berg und Stuckrad-Barre und so, aber die Zeiten sind ja nun wirklich lange vorbei. Offenbar glaubt man bei der Allegra nicht mehr ans Hirn der Leserin, also Schminktipps, bis der Arzt kommt. Deswegen empfehle ich allen jetzt die GQ. Und zwar darum:
"Sie denken noch leise laut vor sich hin, sinnend vor dem Kleiderschrank, da legt der Butler Ihnen schon ein paar Sächelchen raus". Oder so ähnlich. Niiiiiiiles! Jawohl, so will ich Kleidungstipps bekommen, ich will als jemand angesprochen werden, der einen Butler hat, einen lippenlesenden, leise raschelnden Butler, der mir die Schühchen parat stellt, das feine Hemdchen, dessen weichen alten guten Stoff ich so liebe, dazu ein abgenutztes Cordjäckchen, bitte, Madame, es ist Ihr Lieblingsstück, und vielleicht hier noch so eine Nietenhose dazu? In der GQ ist das natürlich alles Gucci und Kroko, muss vielleicht nicht sein, aber - wie sagt Vivienne Westwood? Stil ist, wenn man einfach seine Lieblingssachen kombiniert, völlig egal, ob sie zueinander passen.
So. Das zum Einstieg. Aber dann kommt ein Text, der mich jetzt zu folgender Liebeserklärung hinreißt:
Dieter Meier, Macher von Yello, sehr gute Musik, liebe Leute, you gotta say yes to another excess usw usf, the Amazonas, near Manaos, full of Piranhas, also, intelligente Technomusik aus den 80ern, als es noch kein Tekkno gab, aber angeblich gibt es grad wieder ne neue Scheibe, muss ich mir besorgen, also, Yello - ich hatte eine Kassette von denen, und als ich einmal mit Liebeskummer in mein altes Auto stieg, nach der Disse, ein Bier zuviel intus, jetzt langsam laaaangsam aber auch nicht zu langsam nach Hause, denn die obrrrrhessische Polizei war ja auch nicht ohne, und dabei Yello hören und das Vergessen suchen - da hatte der Apparat Bandsalat gemacht. Ich also wie ein Kastenteufel das Band da rausgerissen, das ganze Band aus der Kassette gerissen, aus dem Auto gehüpft und diesen leckeren Salat über die Taxushecke drapiert, die da gerade so dumm herum stand. So. Aus dem Herzen gerissen sozusagen. Immerhin hatten meine Mutter und ich diese Kassette gehört, als wir, also sie mit Schmackes
über die Sauerlandlinie fuhr und meine Mutter mir das Prinzip der Ideallinie und den Kick-down erklärte (also, meine Vater erklärte mir, wie man den Wagen nur mit Gefühl, Gas und Kupplungam Berg auf einem Punkt hält, ohne die Bremse zu benutzen, mach das aber nicht so oft, Kind, es strapaziert die Kupplung, und meine Mutter erklärte mir die Ideallinie und die Geheimnisse der automatischen Schaltung anhand des Kick-down, siehstu, einfach durchtreten, aber man muss es genau im richtigen Moment tun... nun, soviel zu meiner Motorerziehung, jedenfalls. Yello.)
Dieter Meier schreibt also in GQ, dass der Kapitalismus sich in einem Overkill befindet und die Konsumiererei zu immer geringeren Preise niemandem nützt, weder dem Kapitalismus, noch der Seele. Dass seelenloses Zeug von der Stange - und da gehören für ihn Gucci und Co. dazu - das bringt uns nicht weiter. Nicht ästhetisch. Nicht finanziell. Und dass es jetzt an der Zeit ist, den Schuhmacher um die Ecke aufzusuchen und sich ein Paar (ein! Paar! und das reicht dann auch die nächsten Jahre) machen zu lassen. Und bei der Schneiderin ein Hemd. Ein schönes. Und gut.
Jawohl. Genau so ist es. Schluss jetzt. Es werden nur noch Dinge mit Seele gekauft. Manchmal hat ja auch so ein H-und-M-Hemdchen Seele, gebe ich zu, mein Op-art-Party-Hemd, das ich zu jeder Party anhabe, seit 10 Jahren, das hat schon Seele, find ich, vor allem - es hat 10 Jahre gehalten, lieber Herr Meier, also, es gibt Ausnahmen, aber im Prinzip haben Sie total Recht. Sich einkleiden statt Klamotten konsumieren. Sich einkleiden "lassen", um genau zu sein. Es leben die Schneider und die Nileses dieser Welt.
Dienstag, 9. Dezember
(Hamburg) "Wie bringe ich Gott zum Lachen?" "Erzähle ihm von deinen Plänen."
Montag, 8. Dezember
(Hamburg) An einer bayerischen Hauptschule gibt es seit Kurzem einen Passus in der Schulordnung, der es Eltern untersagt, ihren Kindern den Schulranzen bis an ihren Platz im Klassenzimmer zu tragen.
Nun, das ist eine äußerst interessante Angelegenheit, liebe Freunde des Dramoletts und der deutschen Befindlichkeit. Was, frage ich mich, treibt diese Eltern, ihren Kindern den Ranzen zu tragen, und das auch noch bis ins Klassenzimmer? Haben diese Leute nichts besseres zu tun? Und warum grassiert diese Unsitte derart, dass offenbar klärende Einzelgespräche nicht ausreichen, sondern es per Dekret, sozusagen an die Masse, gerichtet werden muss? Und warum, und das ist die entscheidende Frage, schämen sich diese Blagen nicht, sich den Ranzen bis ins Klassenzimmer tragen zu lassen? Ist man denn dann nicht sofort eine Memme, die von allen anderen mit Katzendreck beworfen wird?
Oh nein, liebe Freunde des Dramoletts und der deutschen Befindlichkeit, man ist es nicht. In einem Land, in dem es Schulen gibt, in denen es üblich ist, dass Mütter oder Väter an den Geburtstagen ihrer Sprösslinge im Klassenzimmer anzutreten und Süßigkeiten an alle zu verteilen haben, in einem Land also, wo man guten Gewissens als Mutter oder Vater eigentlich keinen ernst zu nehmenden Job annehmen sollte, da man jederzeit von der Schule für irgend einen Schwachsinn abkommandiert werden kann, und selbst wenn die Schule mal vernünftig funktioniert, dann auch nur von acht bis eins (und in der Zeit kann man eigentlich keinen einigermaßen vernünftigen Job machen, jedenfalls keinen, der Entwicklungsmöglichkeiten, oder, sagen wir es deutlich, eine Karriere zulässt), in einem solchen Land also - ach zum Henker. Wir leben in dieser Beziehung in einem Entwicklungsland. Und um uns herum Menschen, denen in ihrer Schulzeit der Ranzen hinterher getragen wurde, und deren Mutter
(sicherlich eher die Mutter als der Vater) in die Schule kam, um Süßigkeiten zu verteilen. Leute also, für die es selbstverständlich ist, dass andere Leute sie bedienen. Nein, genauer, die es gewöhnt sind, dass ihre Erziehungsberechtigten kein eigenes Leben haben, sondern jederzeit für sie antanzen. Nun, das ist schon mehr als bedenklich.
Freitag, 5. Dezember
(Hamburg) Das Hamburger Abendblatt ist wirklich eine tolle Zeitung - "toll" ist ein sehr altes Wort und bedeutete irgend wann mal "töricht" oder "verwirrt", und höhere Töchter bekamen in den 50er Jahren noch einen strengen Verweis, wenn sie das Modewort "toll" benutzten und damit toll meinten, klasse spitze geil (auf "geil" hätte die Todesstrafe gestanden, in den 50er Jahren, aber ich schweife ab). Also, das Abendblatt ist toll, und irgend wann werde ich ernsthaft über dieses Abo nachdenken, das ich erst seit zwei Monaten habe (wieso habe ich das getan?! Ich muss toll gewesen sein). Also ('den "Also" gibt es nicht', verwarnte mich eine Grundschullehrerin immer sanft; ihr ist es zu verdanken, dass mir ab und zu noch andere Einstiege gelingen als der mit dem "Also"), also, auf der dritten Seite dieser in
Hamburg recht beliebten Gazette finde ich einen Artikel über die Gefahr, die Europa, insbesondere Deutschland, durch die hungernden Heerscharen aus den alten Ostgebieten, pardon, also aus Russland, Weißrussland, Ukraine und anderen Halbtartarenstaaten droht, die ihre Leute nicht mehr ernähren können und wo deswegen demnächst Trecks von Abgerissenen sich aufmachen werden, um bei uns in den Fleischtöpfen zu löffeln. Das Ganze garniert mit einer Grafik von der Art, wie man sie aus Geschichtsbüchern kennt, nämlich Kriegskarten: Landkarte, dicke Pfeile drauf, die Feldzüge bezeichnen, zum Beispiel erst ein dicker und siegesgewisser Pfeil gen Moskau, dann viele viele kleine ängstliche Pfeile von Moskau weg, und dann große dicke böse Pfeile von Russland nach Deutschland rein, denn der Iwan, der ist ja nicht ohne. Und im Abendblatt sieht das genau so aus, damit der geneigte und betagte und sich sicherlich erinnernde Leser auch genau weiß, was ihm blüht: Dicke rote Pfeile, die alle nach Deutschland weisen, aber keine Feldzüge bezeichnen, sondern Trecks gen Westen der Erniedrigten und Beleidigten aus Russland, Weißrussland, der Ukraine, Rumänien und vom Balkan (sic! Balkan. Nicht Bosnien-Herzegowina, nicht Kroatien, nein, "Balkan").
Ach ja. Es ist wieder so ganz Springer-mäßig hart an der Grenze, so ganz hart an der Grenze des guten Geschmacks. Irgend wann, wenn ich mal alt und grau bin, werde ich diese Art des Grenzjournalismus vielleicht sogar bewundern, toll, wie die das immer hinkriegen: Genau das richtige Gefuehl vermitteln, den Leser schön in die kuschlige Wiege des wir-wissen-ja-wie-es-läuft gelegt, Daumen in den Mund - und wenn irgend ein Kritikaster daherkommt und "Propaganda!" schreit, dann sind wir fein raus - denn, bitte, weisen Sie das mal genau nach, junge Frau!
Donnerstag, 4. Dezember
(Hamburg) Es hält jung, sich nicht zu viele Sorgen zu machen. Es hat manche Menschen sehr jung gehalten und damit sehr alt werden lassen, sich in einer bestimmten Phase ihres Lebens, also von 33 bis 45, nicht allzu viele graue Haare wachsen zu lassen und die Bälle schön flach zu halten (Heesters, Riefenstahl, Jünger). Sie sind alle 100 geworden. Wir gratulieren und seufzen zugleich.
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