|
Samstag, 17. Mai
(Hamburg) Sehr schön: Jetzt kann man auch die Ebay-University besuchen und Powerselling lernen.
schnipp
Nachrichten von der Terrorismusfront: Extrem gewaltbereite Reisebusse haben sich darauf spezialisiert, ihre Insassen gezielt in Abgründe zu befördern. Sie nutzen dabei gerne unbeschrankte Bahnübergänge und das Aquaplaning. Die Busse werden von ihren ehemaligen Mitschülern als "sehr wohlerzogen und wissbegierig" beschrieben, stammten durchweg aus gutem Hause und haben die besten Schulen Europas besucht. Unser Terrorismusexperte stellt in seinem neuesten Buch fest: "Sie kommen aus unserer Mitte - und das macht sie so gefährlich!"
schnipp
Juve spielt gegen Madrid, es steht 3:0. In der 82. Minute kassiert einer die gelbe Karte und ist für das nächste Spiel gesperrt: Foul. "Warum?" fragt Kommentator Effenberg (war es Effenberg? Ich weiß es leider nicht genau, entweder es war er oder der andere Kommentator, auf alle Fälle hat einer von beiden diese nun folgende, unsägliche Bemerkung gemacht und der andere hat ihn schändlicherweise nicht korrigiert - Herberger hätte ihn SOFORT korrigiert, und Delling auch), also, "Warum? Bei 3:0 so ein übertriebener Einsatz und auch noch mit dem Risiko, gesperrt zu werden, in der 82. Minute?! Völlig unnötig, völliger Quatsch." (Übrigens in diesem rotzigen Ton, wo man dieses du-gehörst-übers-Knie-gelegt-Gefühl bekommt.)
Tja, Effe, deswegen bist du ja auch nicht mal mehr bei den Wolfsburgern und musst Bücher schreiben statt Tore kicken! Weil du in der 82. Minute gegen Real Madrid die Füße hochlegen würdest. Real Madrid, Mann, geht das in deinen Kopf? Da muss man vollen Einsatz zeigen (nicht dass ich für Fouls wäre, aber es geht hier generell um EINSATZ). Wenn in der 82. Minute mangels Einsatz ein Tor gefallen wäre und Raúl hätte in der 89. noch sein Tor geschossen (anstatt daneben zu schießen), dann sähe die Welt doch schon wieder ganz anders aus!
Was für eine schlappe Haltung. Diese blödsinnige Taktiererei von wegen 82. Minute und 3:0. Das Spiel hat 90 Minuten, Mann, das weiß ja sogar so ein Fußballdepp wie ich.
Freitag, 16. Mai
(Hamburg) Links vom Fenster meines Arbeitszimmers brütet eine Ente und rechts ein Teichhuhn. Ha! Wer kann das von sich behaupten?? Das Problem ist nur: Jetzt kann ich meine Boote nicht mehr benutzen, weil das die Tiere stört.
Das sind so die Probleme, mit denen ich mich herumschlage, höhö (wenn ich mal grade nicht damit beschäftigt bin, um mein Überleben zu kämpfen, harrharr).
Andere Leute haben andere Probleme. Zum Beispiel Hilmar Kopper, Ex-Aufsichtsratschef der Deutschen Bank. 'Herr Kopper, wenn Sie Loyalität wollen, dann kaufen Sie sich doch einen Hund', sagte ein Londoner Investmentbanker zu ihm. Kopper hatte dem Herrn Vorwürfe wegen mangelnder Loyalität gemacht.
"Da war ich kuriert", sagt Herr Kopper.
Kuriert von was - fragt man sich bang. Kuriert von der 'Krankheit', mehr als nur den Aktienkurs im Auge zu haben?
Das Tolle an der Aussage des Bankers ist ja nicht nur, dass er nur Hunden Loyalitätskompetenz (und -verpflichtung) zuschreibt. Sondern dass er auch die Käuflichkeit dieser Loyalität in der Vordergrund stellt. Er hätte ja auch sagen können: "Legen Sie sich einen Hund zu". Oder: "Suchen Sie sich einen Hund." Aber er sagt: "KAUFEN Sie sich einen Hund".
Jaja. Sic glorit transia mundi. (Sorum gefällt mir der Spruch sehr gut. Hat was mit Transen zu tun, und mit Gloren. Jaja. Es ist Freitag Nachmittag, und Frau Leßmöllmann is am Schwafeln am dran sein.)
Herr Kopper jedenfalls ist froh, dass er nicht mehr im Arbeitsleben steht - zu hart sei es geworden.
Na prost Mahlzeit. (Alles nachzulesen in einer sehr guten Reportage über die Deutsche Bank, SZ-Magazin diese Woche. Lang lebe diese Zeitung! Und ihr Magazin! So, genug damit jetzt.)
Mittwoch, 14. Mai
(Hamburg) Hier ein Bild. Als Nachtrag. Zum arthritischen Chamäleon (siehe Dramolett vom 18. März).

Montag, 12. Mai
(Hamburg) Entdecke auf der Urbane-Legenden-Seite einen Boykottaufruf gegen Frankreich. Darauf eine Liste von französischen Firmen. Z.B. Krups und Rowenta.
Krups und Rowenta? Französische Firmen? denke ich, und denken die Urbanen-Legenden-Kommentatoren auch, sagen: Das ist Quatsch.
Pah, von wegen. Rowenta gehört schon seit einigen Jahren einer französischen Riesengruppe, die in den 50er Jahren noch brav Dampfkochtöpfe baute ("la cocotte-minute") und dann anfing, alles aufzukaufen, von Teflon bis Mulinex. "Entschuldigt, der Chef hat alles aufgekauft!" (na, welcher Asterix....?) Und 2001/02 eben auch Krups.
Soso. Auf der Boykottliste waren auch die Single-Malt-Marke Glenlivet (von der eine gehörige Portion in die Glocke zu löten ich am Freitag Abend das Vergnügen hatte - welch beeindruckende Syntax, aber die Art Syntax hatten wir nach der gehörigen Portion Glenlivet alle), also auf der Liste war eine ganze Menge, sogar noch ein paar Scotches und außerdem DKNY (ich werde jetzt nicht recherchieren, ob das stimmt).
Die Franzosen, ey! Und wat man allet so am Lernen is, wenn man sinnbefreit durchs Internet am Surfen is, anstatt den Artikel am Schreiben zu sein, den am Abgeben man schon längst hätte dran sein müssen (rein syntaktisch sindhier Steigerungen zu beobachten, liebe Leser, das wünsche ich festzustellen).
Beeindruckt von französischem Expansionsunternehmertum, wenig boykottwillig (denn so ist die Welt), amüsiert über cocotte-minute - gehe ich jetzt ins Bett. (Soll ich vorher noch einen Glenlivet...? Is aber keiner auf meinem Küchenbord am Stehen.)
Freitag, 9. Mai
(Hamburg) So, Freunde der Nacht und der Zigarette, getz gibbet ein Dramolett.
Eine Schachte Zigaretten soll jetzt einen Euro mehr kosten. Wir erinnern uns: ein Euro, das ist eine Mark und rund 96 Pfennige. Eine Mark 96, lassen wir diese Zahl mal kurz im Raum stehen, auf der Zunge zergehen, inhalieren wir sie mal so ganz genüsslich.
EINE MARK 96???
Jedem Bahnhofspenner ist es peinlich, statt "hast mal ne Mark" seit Anfang des Jahres "haste mal 'nen Euro" zu sagen und so die Steigerung um 100 Prozent zu vollziehen, von der alle vorher behaupteten, dass sie nicht geschehen würde. "Haste mal 'n paar Cent", heißt es verschämt, oder "haste mal 50 Cent", obwohl diesem Spruch jeder Schwung und jede Werbewirksamkeit fehlt, aber die Bahnhofspenner, die haben Anstand, die geben sogar die coolen Sprüche auf, nur, um nicht die Teuro-Geldschneiderei mitzumachen.
Nicht so unsere Regierung. Da wird ganz locker weiter mit runden und ganzen Zahlen operiert, auch wenn hinter der Zahl jetzt eine andere Währung steht.
Die Schachtel kostet jetzt also 7 Mark 80. Na, das ist doch fast nichts. Es erinnert einen auch schön an die Zigarettenpreise, die man in seinem Sommerurlaub auf einer dänischen Insel latzen musste, also - Urlaubsnostalgie inklusive, was will man mehr.
Mich beschleicht irgend wie das Gefühl, in einer Bananenrepublik zu leben.
Donnerstag, 8. Mai
(Hamburg) Der Mann steht am Kofferraum seines Autos. Der Deckel ist geöffnet. Der Mann holt eine Tasche raus, greift zum offenen Kofferraumdeckel und gibt diesem mit der Spitze seines Zeigefingers einen ganz leichten Stipps. Und geht weg.
Der Kofferraumdeckel senkt sich ganz, gaaaaanz langsam, sss, sss, sssssss - und fällt mit einem satten schalörk-tschak ins Schloss. Der Mann steht derweil an der Ampel und spielt mit seinem Mobilfon.
Das ist Luxus. Der Kofferraumdeckel schließt sich fast von selbst. Man muss sich die Hände nicht mehr am Kofferraumdeckel schmutzig machen, weil man mit der ganzen Hand draufpacken und das Ding mit Schwung zudrücken muss. Nein, einfach nur noch ein leichter Stipps.
Damit gaukelt die obere Mittelklasse ihren Besitzern vor, sie seien von Adel und mit Domestiken ausgestattet (oder Hauptkommissare mit Harrys, die den Wagen vorfahren), also Leute, die andere Leute haben, die ihnen den Kofferraumdeckel zumachen, während sie sich mit den wirklich wichtigen Dingen beschäftigen können. Der Stipps an den Kofferraumdeckel simuliert das "Müller, Sie können den Wagen jetzt abschließen". Jaja. Wo keine echten Privilegien mehr, dort eben Simulationen. Was aber nur zeigt: Ohne Klassengrenzen fühlt sich der Mensch wohl unwohl.
|
 |
|