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Freitag, 12. September
(Hamburg) Ist das nicht ein Dramolett? ... Könnte dies hier nicht ein Dramolett sein? ... Dramolett, Dramolett!

Ja, ja, liebe Freunde und Einflüsterer, ständig tuschelt ihr mir da was ins Ohr, macht mich darauf aufmerksam, dass mein Leben mit Dramoletten gepflastert ist, animiert mich zur Niederschrift. Recht habt ihr, ich werde sofort alles aufschreiben: Dass ich meinen ersten Einbruchdiebstahl life erlebt habe, jaja, und nicht in Berlin-Wien-Chicago, wo ich mich ja sonst aufzuhalten pflege, sondern in Klein-Karben, auf dem Parkplatz vor dem Friedhof (bitte, man lasse sich diese Location auf der Zunge zergehen), zwei Typen im Auto, einer springt raus, zerschlägt die Scheibe eines parkenden Wagens, schnappt sich irgend was, springt in sein Fluchtauto und weg. Wir stehen da mit offenem Mund, nur ein paar Büsche zwischen uns und dem Geschehen, offenbar verdeckt genug, um von den Räubern nicht ernst genommen zu werden, wir merken uns das Kennzeichen und rufen die Polizei (Mobiltelefone haben die Welt verändert, ich sage es euch). Die Polizei lässt sich alles en détail und in aller Ruhe erklären, das Phon wird herumgereicht, jeder darf erzählen, wie es war. "Wir schicken jemanden vorbei".

Soweit das Drama, jetzt beginnt das Dramolett. Die Polizei kommt nach 20 Minuten, der Fahrer herrscht uns aus dem Auto an: "Wohin sind die abgehauen?", wir deuten in die Richtung, Fahrer tritt aufs Gas, seine hübsche! blonde! Kollegin auf dem Beifahrersitz redet beruhigend auf ihn ein, da bremst er nochmal, fährt rückwärts auf das ausgeraubte Auto zu, sie gucken beide drauf (wir fragen uns, was das soll?), die Kollegin notiert etwas, dann tritt er wieder aufs Gas und ab zur wilden Verfolgungsjagd über die Feldwege der schönen Wetterau.

Wir stehen da wie blöd. Und jetzt? Der Besitzer des ausgeraubten Wagens ist noch nicht aufgetaucht. Sein Auto steht mit klaffendem Loch auf einem recht einsamen Klein-Karbener Friedhofsparkplatz, und die Polizei rast einem Auto hinterher, dass jetzt im Prinzip schon auf der A5 nach Basel sein könnte.

Wir rufen wieder die Polizei an. "Was ist denn noch?". Ja, ähm, also, was sollen wir denn jetzt tun? Hier steht ein aufgebrochenes Auto herum, die Polizei ist weg, der Besitzer ist weg? Ist das die Idee, dass wir jetzt auch gehen, der Besitzer kommt irgend wann zurück, ihn trifft der Schlag, er ruft die Polizei, die sagt ihm: Hey, was ist denn, ist doch alles schon erledigt, oder was???? "Ja ja, mir schigge jemanden."

Ach, ich muss das alles nicht verstehen, wieso meine ich immer, alles verstehen zu müssen. Wir schnappen uns einen Korb aus unserem Auto und sammeln Fallobst, bis der Besitzer kommt und wir ihn aufklären können und er einen Schock kriegt. Keine Spur von der Polizei, die fährt ja jetzt in Richtung Sonnenuntergang und fällt irgend wann in den Grand Canyon.

Montag, 8. September
(Hamburg) Amtsdeutsch, auf Englisch, hach, man übersetzt mich, neeneenee, darauf n Likörchen (wat Klebriget für die Damen, höhö).


 

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(c) Annette Leßmöllmann