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Montag, 21. Juni
(Hamburg) Lange Urlaubsdramolettenpause. Es war kalt, Freunde der Nacht und des eisgekühlten Dramoletts! Und die Ostsee, liebe Leser, ist in ihren westlichen Gefilden ein Tummelplatz des deutschen Spießers geworden, ich weiß nicht, ob ich das gutheißen soll. Eigentlich fährt man doch segeln, um dem Spießer zu entfliehen (unter anderem)? Aber der deutsche Spießer als solcher, er ist nicht blöd, gell, kauft sich ein Boot (der deutsche Spießer hat Geld), lockt seine Frau als Bratkartoffelmanufakteurin, Putzfrau und - manchmal - als aufhübschende Gallionsfigur an Bord und los geht das, ab in die Dänische Südsee, unschuldige Skipperinnen aufmischen und ihnen erzählen, wie sie ihre Manöver fahren sollen! Ha! Ich verachte ihn, den deutschen Freizeitbooteschinder, Dänische-Häfen-Verunstalter, Frauen-was-Erzähler, Leinen-werfen-Nichtkönner, Klampen-belegen-nie-gehört-Haber, Plastebootfahrer, Möchtergernkapitän, fettwanstiges Gesindel, möge euch Rasmus in seinem Schlund verschlingen, möge Kahn sein riesiges Maul aufreißen und euch samt eurer missgelaunten Weiber und eurer Joghurtbecher-Boote verschlingen!

Womit wir beim Thema wären. Kahn. Wir sollten ihn Khan nennen! Wenn der da in Zeitlupe sein Kahnmaul aufreißt und seine Mannen bebrüllt, dann denkt man, hoppla, der Bildregisseur hat einen Blick fürs Detail, und huch, will er den Ball mit dem Maul fangen?! Großartige Vorstellung.

Überhaupt, die EM. Generator bester Laune zur Feierabendzeit und Multiplikator dramolettfähiger Dialoge. Hier ist einer.

Sie: Hey, nimm dein Knie weg, ich will Fußball sehen.
Er: Ich muss dich küssen!
Sie: Blödmann, doch nicht jetzt!!!!!!
(Man beachte die Geschlechterverteilung. In Deutschland vermutlich eine Sensation, entblödet sich doch das Abendblatt nicht, eine seiner Autorinnen eine Frauen-hassen-Fußball-Glosse schreiben zu lassen. Das Abendblatt! Ich habe es jetzt schon zum 10. Mal abbestellt. Immer, wenn ich mich ärgere, bestelle ich es ab. Nützt nur nix, scheiß 1-Jahres-Vertrach. Alle deutschen Ostseespießersegler sind Abendblatt-Leser, darauf verwette ich meinen Kopf.)

Noch einer:

(Portugal gegen Spanien)
Sie: Diese Haarbänder, ich weiß nicht, ob ich die gutheißen kann. Diese Effeminierung des Fußballers als solchen, ist er doch eigentlich das fleischgewordene Destillat des Männlichen, und dann nestelt er sich wahrhaftig diese Ikone des Weibischen in die virile Haarpracht ...
....
Sie: Raul, du blöde faule Sau.

Das beste sind natürlich die Dialoge Delling-Netzer.

Netzer:... Maniche....
Delling: Das war Andrade.
Netzer: Danke, dass Sie mich auf diesen Fehler hinweisen, Herr Delling. Aber dafür sind Sie ja da.

Netzer:...Freistoß....
Delling: Sie meinen Elfmeter.
Netzer: Das war wieder mal eine von diesen Unverschämtheiten von Ihnen, Herr Delling
(lächelt sein schlangiges Netzer-Lächeln, dieses fast-gar-nicht-da-Lächeln ohne Augenfältchen, hat er eigentlich Glasaugen? Nicht dass hier ein falscher Eindruck entsteht, ich liebe Netzer, aber es ist doch immer wieder wie Theater, wo sich plötzlich alle ausziehen - man weiß nicht genau, ist es hohe Kunst oder peinlich? Netzer ist manchmal bestürzend schlecht vorbereitet und ich entscheide mich für: Das ist hohe Kunst).


 

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(c) Annette Leßmöllmann