|
Mittwoch, 17. März
(Hamburg) Ja, es hat mir ein bisschen die Sprache verschlagen (hier haben schon 1000 Leute angerufen und besorgt gefragt, warum denn die Dramolettproduktion so schleppend läuft, ok, es waren nur 100, naja, 10, ach eigentlich nur einer), aber - was soll ich sagen? Ich habe wieder mal "Deckname Dennis" gesehen, von 1997; ein dicker Amerikaner läuft durch Deutschland, gibt sich als Reporter eines amerikanischen Kleinstadt-Senders aus und fragt die Leut' über ihre deutsche Befindlichkeit. Zum Beispiel Mitglieder der Autofahrerpartei, oder Teilnehmer einer "Schlesien-ist-unser"-Tagung. Naja, und wenn man dann Herrn Schäuble auf so einer Schlesien-Veranstaltung sagen hört, dass "wir uns mit der Ostgrenze nie zufrieden gegeben haben" (wir? WIR? Ha, fast wäre dieser Mann Bundespräsident geworden, hätte er das dann auch gesagt?
Wir, die Deutschen, haben uns mit der Ostgrenze nie zufrieden gegeben?) Ich bin mal wieder fast vom Sofa gefallen.
Ja der Neander taler wandert ohne Rast und ohne Ruh. Und fragt die Leut wie weit sies heut seit seiner Zeit gebracht??
Pam pam.
Ich kann wieder und wieder nur sagen: Hört Georg Kreisler.
Selbst das schöne Viertel Lavapiés in Madrid, was ist es jetzt? Ein Ort des Schreckens.
Wenn ich Nachrichten höre, dann ist das wie im Krieg: So und so viele sind heute wieder gefallen. Aber es ist halt kein Krieg.
Ja, und, angesichts der weltgeschichtlichen, weltterroristischen Lage sind diese Dinge hier natürlich nur von untergeordneter Bedeutung: In Deutschland kann man nicht Bundespräsidentin werden. Dieses Land ist so rückständig, dass es sich Frauen als Kandidatinnen nur leistet, damit sie die männlichen Kandidaten piesacken und sie zu Stellungnahmen zwingen. Das erwartet jedenfalls die taz von Gesine Schwan. Höhö, hat auch was. Ist, im Großen und Ganzen, aber so peinlich, dass ich wieder mal ans Auswandern denke. Schnell ins Bett und Fräulein Smilla gelesen, zum dritten Mal. (Das Taschenbuch ist schon vergilbt, erst 10 Jahre alt und schon vergilbt. Ich bin jetzt in einem Alter, wo auch die selbst erworbenen Bücher schon vergilben, nicht mehr nur "Luthers Tischgespräche", die man mal vom Opa abgestaubt hat.) Und: Mehdorn ist doch nicht korrupt. Lauter schlechte Nachrichten.
|
 |
|