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Dienstag, 5. Juli
(Mannheim) (Mannheim) Und es gehört auch zum guten Ton, mitzuteilen, wenn man ge-praschl-t wurde. Ich melde das genau ein Jahr später (sollen doch die anderen an ihrer Aktualität ersaufen. Ich liebe die gedehnte Netz-Zeit. Onlineunderstatement.). Ich bin gerührt.

Montag, 4. Juli
(Mannheim) Ein dramolettfreier Juni. Grmpf. Dabei habe ich (1) bei 35 Grad im Schatten geheiratet und (2) einen Mannheimer Sperrmüll erlebt. Ersteres ist dramolettfreie Zone (obwohl - die Standesbeamtin, liebe Freunde und Förderer des Badischen und der Kurpfalz, war die beste der Welt. Haffner zitieren, Witze reissen, Bikinizeichen auf der Haut haben, denn in Mannheim lebt man für den Badesee, alles andere ist nachgeordnet. Sehr gut. Chapeau ab, wie der Hesse sagt. Wir bekamen sogar zwei Freikarten fürs Theater. Zum Dank haben wir uns nach der Zeremonie bis zur Wade in die Fluten der Wasserspiele am Wasserturm gestürzt. Nett dort. Nein, kein Foto.)

Nun zum Sperrmüll. Sperrmüll wird in Mannheim wie früher zelebriert, nicht so krüsch und opak wie in Hamburg und Berlin, mit Anrufen und Abholen, sondern - auf die Gass' damit, hinfort, schnöde Materialität! Daraufhin kommen Horden von Leuten (teilweise reist man aus PL und H an, mit Transporter) und stürzen sich auf die schnöde Materialität und erklären sie zur interessanten Ware. Wehe dem, der an diesen Tagen umzieht oder sein Fahrrad draußen stehen lässt. Wehe dem, der überhaupt auf die Straße geht. Alles, was man bei sich trägt, wird taxiert - stellt sie es jetzt auf den Haufen? Kann ich das verkaufen? Es beginnt also die größte Zweitverwertungsaktion nach E-Bay. Eine türkische Familie steht plaudernd um einen solchen Haufen und wartet darauf, dass die Dame mit den weissen Handschuhen, Antiquarin offenbar, mit den Büchern fertig ist. Mit spitzen Fingern zupft sie die Belletristik vom Bücherbord; der Besitzer hat gleich alles zusammen auf die Straße gestellt. Der älteste Sohn der türkischen Familie mustert mich im Vorbeigehen (irgendwas Wertvolles dran an der Dame, was sie gleich irgendwo hinstellen und dem Kapitalismus preisgeben wird?!), dann sagt er, Lolli-lutschend, zu mir: Hey. Heute ist unser Tag. Heute ist Türkentag. Ich sage: "jau" schaue in die Sonne.

Sonntag, 3. Juli
(Mannheim) Möge die Segelsaison endlich beginnen!

Fenderreiten auf SY Döntje


 

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(c) Annette Leßmöllmann