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Mittwoch, 23. November
(Mannheim) Der Vatikan will keine Homosexuellen mehr zu Priestern weihen.

Man lasse sich das auf der Zunge zergehen und analysiere, nach dem man den ersten hysterischen Lachanfall überwunden hat, logisch:

Der Vatikan will, dass Priester keinen Sex machen - und das nicht mit Männern.

---schnipp

Bin auf einem polnischen Blog-News-Feed gelandet. Alles polnisch. Sehr witzig: "serwis blogów gazeta.pl".

Gedankennotiz: Polnisch auffrischen. Leute, die Wörter wie "odszkodowawczego" sagen, ohne rot zu werden, müssen einfach interessant sein und schleunigst besucht werden. Habe es gerade mal mit dem Rad über die Grenze geschafft, damals von Berlin aus. Schande. Sogar Gehirn&Geist gibt es auf Polnisch. Heißt "Umysl", das l hat einen Strich durch. Bitte aussprechen. L mit Strich spricht sich ein bisschen wie das erste OU in Ouagadougou. Notiz Ende.

Dienstag, 22. November
(Mannheim) Danke, Mario, fuer den Warninglabelgenerator.

warninglabel

Donnerstag, 17. November
(Mannheim) Wieso ist man eigentlich noch Journalist? Steht doch eh alles in Wikipedia.

Apropos Fatalismus: Warum für schlechte Honorare schreiben? Dann kassiere ich doch lieber gleich gar nix und schreibe dafür, frei und unredigiert, in mein Weblog. Sagte jemand auf dem
Jonettag und sprach damit aus, was der Graswurzelökonomie des Journalismus hoffentlich mal einen deutlichen Nasenstüber verpasst: Die Edelfedern wandern in die Blogs ab, und die Edelblätter können sehen, wer ihnen ihre Spalten füllt. Vielleicht begreifen sie dann, dass man Qualität bezahlen muss. Schon Fontane jammerte zu Recht über seine bescheidene Entlohnung. Man muss sich einfach klarmachen, dass diese Hungerkünstler-Ökonomie eine Sache der gesellschaftlichen Übereinkunft ist. In Deutschland hat die schlechte Entlohnung Tradition - hier dürfen Journalisten froh sein, dass sie jemand druckt und haben nicht zu mucken in Sachen Honoraren, das ist die Verständigung hierzulande. Es hat nichts, aber auch gar nichts mit einer aktuellen Krise zu tun - es ist schon immer so. In anderen Ländern wie den USA ist das nicht so. Deswegen, Leute: (1) Schreibt Blogs (2) und finanziert das gegen, indem ihr Kundenmagazine füllt, die ordentlich bezahlen. Was soll sein?

Sonntag, 13. November
(Hamburg-Mannheim) Auf dem Rückweg vom Jonet-Tag nach Mannheim. Der Zug: voll. Ich Speisewagen. Voll. Ein Platz wird gerade frei, an einem Zweiertisch, ich fragen den Herrn, der dem freigewordenen Platz gegenüber sitzt: Darf ich mich dort hinsetzen? Aber gerne. Er frohlockt. "Sind Sie auch bei der SPD?" Das ist ein lustiges Intro, das ich mit einem dämlichen Gesichtsausdruck quittiere, mehr fällt mir nicht ein (das Russenbier auf St. Pauli hat seine Spuren in meinem Hirn hinterlassen, außerdem habe ich den ganzen Tag geredet, gestern, bei den Magazingründern und bei den Bücherschreibern und überhaupt). SPD? "Jaaaa, haha, das war eben der Hans-Jochen Vogel, der da auf Ihrem Platz saß, und überhaupt ist der ganze Zug voll mit SPD, die zwei da drüben auch, denn alle fahren nach Karlsruhe zum Parteitag." Ach, sage ich. Hans-Jochen Vogel hat mir meinen Sitz angewärmt. Das gibt mir, irgendwie, ein gutes Gefühl.

Ach - und Bilder vom jonet-Tag bei flickr (die Dramolettistin trägt Augenringe, sehr schön), sehr schön auch die Fotos von Thies Raetzke. Man kann auch nur den Magazingründer-Workshop anschauen. Gell. Sind dann nicht so viele Büldln. Äh Bilderchen. Äh. Küssen tu ich übrigens öffentlich nie wieder wen.


 

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(c) Annette Leßmöllmann