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Mittwoch, 28. Juni
(Mannheim) Boy George, 45, war blöd genug, sein Koksdepot entdecken zu lassen.

Moment mal - 45? Das heißt, bei "Do you really want to hurt me" war er 25?

Naja.

Dienstag, 27. Juni
(Mannheim) "Das war abgezirkelt." (Netzer)
"'Abgezirkelt'?" (Delling)
"'Abgezirkelt'." (Netzer)
"Also auf alle Fälle war der Ball drin!" (Delling)

Wann werden sie anfangen, sich zu küssen?

Freitag, 23. Juni
(Mannheim) "Und dann war plötzlich Tor!" (Tranquillo Barnetta, Schweizer Mittelfeldspieler, nach dem Spiel gegen Südkorea)

Sonntag, 18. Juni
(Mannheim) Alle sind gut gelaunt. Alle! Sogar die Kanzlerin reißt ab und zu die Arme hoch. Wenn das so weitergeht, fallen wir nach dem 9.7. in eine tiefe Depression. Oder nicht? Wenn nicht - dann wäre das die ganz große Kunst! Der Beweis, dass es sich hier nicht um eine manisch-depressive Variante handelt. Und nett wäre es. Ich finde es gut, wenn mir völlig Fremde auf dem Fahrrad entgegeneiern und unverständliche Glücksschreie herausgurgeln: Gewonnen! Yeah!

Mittwoch, 14. Juni
(Mannheim) Äh - hier stehen Leute auf, wenn die Nationalhymne gespielt wird.

In den dunklen Gruften Kreuzbergs und sonstwos, wo ich früher Fußball geguckt habe, da, naja, da hätte man natürlich auch aufstehen können zur Nationalhymne. Und zwar genau ein Mal.

--- schnipp ----

Deutschland gegen Polen: Vor uns sitzt ein einsamer Fan und schreit das ganze Spiel über Bösartigkeiten in Richtung der polnischen Spieler auf der Leinwand. Er hat einen ganz roten Kopf dabei. Mehrmals haben wir den Eindruck, ihn beruhigen zu müssen ("Immer schön fair bleiben, Brüderchen") - nicht, dass er noch einen Herzanfall kriegt. Oder so. Aber dann ist das Spiel vorbei, er trinkt sein Bier aus, steht auf, nickt uns freundlich zu und verschwindet, als hätte er nicht eben noch unser Nachbarland aufs Übelste beschimpft.

Dienstag, 13. Juni
(Mannheim) Praktisch, diese WM. Man weiss immer, wie spät es ist - so ungefähr jedenfalls: Wenn die Stadt plötzlich ruhig wird, runtergefahren und abgedimmt, gewissermaßen; kein Auto fährt, kein Moped knattert, keiner hupt, keiner streitet mit seinem Ehegespons - dann spielt irgendwer, es ist also irgendwas zwischen 15 und 23 Uhr (reicht doch als Zeitangabe - odrrr? Wir haben Sommer! Wen interessiert da die Zeit. Es interessiert nur: Funktioniert der Ventilator? Ist das Bier schon kalt gestellt? Wo schauen wir heute?). Wenn aber wieder ein allgemeines Scharren, Surren, Wischen und Waschen, Schreien und Murmeln und auch die Lustschreie der Nachbarin wieder einsetzen, dann - ist Halbzeit. So einfach ist das. Mannheimer Zeitrechnung.

Samstag, 10. Juni
(Mannheim) Überall diese Fahnen. Der Nachbar fragt mich, ob das Deutschland wohl gut tut. Ja, sag ich. Begründung folgt.

Freitag, 9. Juni
(Mannheim) Kann grad nicht. Muss Fußball gucken.


 

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(c) Annette Leßmöllmann