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Dienstag, 23. Januar
(Dieburg) Komme nicht ins Blog www.journalismus-darmstadt.de rein, um meine DLD-Impressionen reinzuhacken. Frust. Überbrücke die Zeit, um etwas anderes reinzuhacken:
The Great Professors-don't-work-hard-Hoax!
Aufhänger für die Geschichte:
"Du bist doch jetzt Prof und hast Zeit. Kannst Du nicht die Konferenz organisieren?"
Also, liebe Freunde des bösen, bösen Dramoletts - zieht Euch warm an, denn jetzt wird's eisig.
Sagt mal, Leute, habt Ihr den Schuss noch gehört? Da ich diese Sprüche hauptsächlich von Journalisten höre, hier mal eine Replik auf dem gleichen Niveau, bevor ich ernsthaft werde. Hier ist sie, nur mal so zum Aufwärmen: Journalisten sind alles Schmierfinken und Schwätzer, die nie auch nur ein bisschen recherchieren. Wenn sie sich nämlich über die aktuelle Hochschullandschaft informiert hätten, dann würden sie lieber im Boden versinken, als so einen haltlosen Quark zu verbreiten.
So, aber jetzt ernsthaft. Ich gebe gerne ein paar Recherchetipps.
(1) Wer glaubt, 18 Stunden Lehre würde bedeuten, man arbeitet 18 Stunden und legt dann die Füße hoch, ist dümmer, als die Polizei erlaubt. Jeder, der mal gelehrt hat, weiß, dass jede Stunde Lehre mindestens eine, möglicherweise sogar zwei, vielleicht auch drei Stunden Vor- und Nachbereitung mit sich zieht. Mit 18 Stunden Lehre habe ich also schon einen 40-Stunden-Job. (An manchem Wochenende habe ich 75 Studententexte auf dem Tisch. Und ich rede hier nicht von Kurzmitteilungen.)
(2) Ich sage nur: Jederzeit per E-Mail für Studenten erreichbar sein (macht ca. eine Stunde am Tag, und ich meine hier nicht von Montag bis Freitag). Mentorenprogramm für die Studierende (Vorbereiten, Treffen, Nachbereiten, weitervermitteln, Probleme lösen). Gremiensitzungen. Diplomarbeiten. Diplomprüfungen. Kontakte nach außen knüpfen, um gute Praktikamöglichkeiten anzubahnen. Und den Rest lass ich jetzt.
(3) Und dann habe ich noch keine Zeile geforscht.
(4) By the way. Professoren werden neuerdings nach Leistung bezahlt (Raunen in der Menge - ach, das wussten wir ja gar nicht!) Jaja, Leute. Erst recherchieren, dann Klappe aufreißen. Leistung bedeutet nicht nur, dass Studenten die Lehre beurteilen und das in die Gehaltsverhandlungen einfließt. Es bedeutet auch, dass ich Dinge zusätzlich tue, die also nicht in der obigen Liste drin sind (zum Beispiel forschen). Wenn ich die nicht tue, bleibe ich mein schönes langes Beamtenleben lang auf der gleichen Gehaltsstufe wie jetzt. Merke: Die guten alten Gehaltsanpassungen qua Älterwerden gibt es nicht mehr.
Message angekommen?
Versteht mich nicht falsch: Es gibt keinen besseren Job, aus vielen Gründen. Aber der Nächste, der meint, Profs wären faul, dem hau ich auf die Leber (um mal "Asterix und der Avernerschild" zu zitieren.)
Ende der Durchsage.
Sonntag, 21. Januar
(Mannheim) (München) I enjoy DLD. I really do. Stay tuned.
Freitag, 19. Januar
(Mannheim) Werkstattgespräch am Linguistik-Institut der Uni Stuttgart: Klaus von Heusinger und ich moderieren die Diskussion; dabei sind Rainer Klüting (Redaktion Wissenschaft und Technik, Stuttgarter Zeitung), Inge Jacobs (Lokalredaktion/Bildung und Hochschule, Stuttgarter Zeitung), Ursula Zitzler (Pressesprecherin, Leiterin des Referats für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Uni Stuttgart), Tobias Götz (Schwäbische Zeitung), Manuela Tilp (Stuttgarter Wochenblatt). Zielgruppe: Linguisten, die möglicherweise Wissenschaftsjournalisten werden wollen.
Ein sehr interessantes Gespräch, liebe Freunde des Dramoletts: "Die Presse ist kein Prinz, das Dornröschen wachküsst" - damit charakterisierte Rainer Klüting sehr treffend die Haltung des Wissenschaftsjournalisten gegenüber, etwa, der Linguistik, die möglicherweise ja sehr interessant sein mag, aber erst - wenn man sie einige Jahre studiert hat. Also ist es die Aufgabe des Linguisten, der Presse klarzumachen, was daran prickelnd ist, denn die Presse hat nicht jahrelang Zeit (ach?). Linguisten und andere Kryptogeisteswissenschaftler (das Wort kommt jetzt von mir, denn ich bin böse und außerdem Linguistin, da darf man das) sollte daher aufhören, sich wie Dornröschen zu verhalten, das aufs Wachgeküsstwerden vom Prinzen von der Presse wartet.
So.
Das ist zwar in gewisser Weise eine Selbstverständlichkeit, aber es kann trotzdem nicht oft genug gesagt werden. Die Geisteswissenschaften haben einen katastrophalen Ruf, und daran sind sie zum großen Teil selbst schuld.
Aber auch die Presse ist schuld. Sie ist antiquiert, und auch das ließ Klüting kurz selbstkritisch anklingen: Sie hat die Geisteswissenschaften ganz dem Feuilleton überlassen, also den Menschen, die auf viele Leser schon dank ihrer Sprache einschüchternd und abschreckend wirken - anstatt auf den Wissenschaftsseiten frisch, sachlich, interessant und klar, wie es so die Art der Wissenschaftsseiten ist, auch mal über Geisteswissenschaftliches zu berichten.
Übrigens fällt mir heute zum ersten Mal auf, dass unter dem Titel "Süddeutsche Zeitung" tatsächlich steht: "Neueste Nachrichten" etc. pp. Ich meine, hallo? (Um mal einen Spruch aus Web 1.0-Zeiten zu bringen.) Ich meine, hallo - wie albern ist DAS denn! Neueste Nachrichten, so ein Quark. Wann kapieren die Zeitungen endlich, dass der Zug für sie als "Zeitungsmedium" i.S.v. "ich bringe euch neueste Zeitung, also Nachricht" längt abgefahren ist. Die sollten endlich die News von der ersten Seite streichen. Es ist wirklich zu albern. Glücklicherweise ist mir das in den letzten zehn Jahren meiner Zeit als SZ-Abonnentin nicht aufgefallen. Warum wohl.
Mittwoch, 10. Januar
(Mannheim) Süß: "Auch wir sind ein Blog" - Spiegel Online fängt an, sich mit der Blogosphäre zu messen: Wir haben auch eine Tag Cloud, aber sie ist viel besser als die Tag Clouds der Blogger. Hihi.
(Wem das da eben gar nichts sagte, der vergesse es ganz schnell wieder. Es ist nicht wirklich wichtig.)
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