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Mittwoch, 16. Juli
(Mannheim) Die Dramolettistin bereitet sich auf 17 Tage Segeln vor (was bedeutet: 17 Tage offline sein. Habe das Twittervolk gefragt, ob das überhaupt gehe. Man meinte, eigentlich - eher nicht. Aber wenn ich Entzugserscheinungen bekäme, könne ich mich ja an den Mast binden lassen. Schöne Idee.) Der Wind weht gen Bornholm, also wahrscheinlich wieder Ostsee (ich werde es nie auf die Nordsee schaffen. Immer weht der Wind entgegen. Vorher alle Verwandten und Bekannten verrückt machen - ""Waaaaaas? Auf die Nordsee? Nordsee - Mordsee? Bissuverrückt?" - und dann war es wieder nichts und man schippert wie immer auf der baltischen Badewanne herum, die, erinnern wir uns, hin und wieder auch nicht ohne ist, aber egal.) Jedenfalls - segeln. An den Schoten zerren, auf die Wolken starren und undfinierbare Mengen diverser Gerstensäfte die Kehle herunterrinnen lassen. Dazu kulinarische Erzeugnisse wie Blutsuppe (aus Rotwein) und Seebärenkeks, hin und wieder Näpfe voll mit irgendeinem Brei, genannt Schlotze, aber so ist das auf dem Schiff. Hin und wieder die Joghurtbecher-Bavaria-Charterer-Spießer schocken durch elegantes Rückwärtseinparken in die Box, außerdem trägt bei uns keiner diese albern maritimen Klamotten und wir sehen wild aus, wild! Und schnibbeln näher als jeder andere an Land entlang und ankern dort, wo sich sonst keiner traut. Sehr fein.

Montag, 14. Juli
(Mannheim) Die Feelies haben sich wieder gefunden und haben zusammen mit Sonic Youth aufgespielt, natürlich irgendwo in New York. Mögen sie auch nach Europa kommen und uns mit großartiger Musik überziehen (ist die großartige Bassistin auch noch dabei?) - wäre ein Grund, mal wieder in ein Konzert zu gehen. Mein letztes war Belle and Sebastian in Hamburg, weia, verdammt lang her.

--- schnipp

Ich höre Disco Partisani, nachdem es mir misslungen ist, mich mit Pavarotti in trübsinnige Stimmung zu bringen (klar kann man das Semester mit Maria Callas beginnen und es mit Pavarotti beenden, aber - was zu viel ist, ist zu viel, auch, was den Kitsch betrifft.) Apropos Kitsch: Lese Schätzings "Schwarm" und werde die Schwarte durchlesen, so, wie ich jeden Crichton standhaft durchlese, aus lauter Lust an der Trivialliteratur. (War das böse genug? Hach, ich bin so gerne böse, mit einem Campari Grapefruit aufm Balkon und Disco Partisani im Ohr.)

---schnapp

Werde mich morgen dem Spießerglück hingeben und mein Auto waschen. Herr Nilsson ist ein Dreckspatz und soll sich schämen - 10 000 Kilometer in fünf Monaten, pfui! Jetzt hat er zwar wieder sein schnittiges Mobilfunk-Antennchen wieder, das irgendein Antennenfetischist abgeschraubt hatte, aber er ist schon eine armselige Gestalt, so dreckig und mit den Spuren des Alters an den Lefzen. (Mein grandioser und äußerst charmanter Automechaniker ist übrigens daran gescheitert, in meinen Funkautoschlüssel eine neue Batterie einzubauen. Also, ich hab alles probiert, Frau Leßmöllmann, aber ich hab das Ding nicht aufgekriegt. Sowas finde ich sympathisch. Ich habe ihm die versenkte kleine Schraube gezeigt, die man aufdrehen muss, damit.... Eins zu null für Sie, sagte er, und lacht sein grandioses, charmantes Lachen. Das war so eines dieser unterhaltsamen Erlebnisse, die einem die Welt morgens um 7 freundlich erscheinen lassen. Ich hätte die Batterie natürlich auch gleich selbst einbauen können, aber... naja, man muss ja nicht alles selbst machen. Gell.)

Sonntag, 13. Juli
(Mannheim) I was wikipediated.

Und nebenbei: Meine Güte, was war der heutige Berliner Tatort schlecht. Nach dem "Witz"

"Was macht ein Richter, um auf 0,2 Promille zu kommen?" - "Er trinkt zwei Tage keinen Alkohol" -

habe ich ausgeschaltet. Und diese übliche Seitenhiebe auf Anwälte, und dass mir Speed Dating erklärt wird, als sei ich Oma Moime (ach so - Tatort ist ja für Oma Moime - na egal), also - egal. Das war nicht mein Tatort. (Übrigens weiß Oma Moime perfekt über Speed Dating bescheid, weil sie ja die Hörzu liest. Da wird bestimmt alles erklärt, auch Speed Dating. Also, ich weiß wirklich nicht, was sich die ARD so denkt.)

Mittwoch, 9. Juli
(Mannheim) "The literature is full of people who missed opportunities. I don't want to be a man who is missing opportunites." Tscha. Ich sollte aufhören, Gilmore Girls zu schauen, sie sind oft so äkelhaft wahr, harrharr.

--Schnipp. Semesterende, komm zu mir, komm schnell! Sonst komm ich und hol Dich.


 

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(c) Annette Leßmöllmann