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Donnerstag, 27. November
(Mannheim) Muss immer noch über "Obama sin Laden" lachen. So nannte die Süddeutsche im "Gemischten Doppel" politisch total unkorrekt das Weiße Haus. Bin gespannt, wie Obama seinen Laden so schmeißt. Gut, denk ich mal. Und wenn es nicht gut läuft, sagt man dann auch: "typisch Schwarzer"? So wie man "typisch Frau" sagt, wenn es bei einer Frau an der Macht nicht gut läuft? Kurze Überlegung zum Alltagsrassismus: "Typisch Frau", hieß es bei Ypsilanti hessischem Flop. Aber: Heißt es auch "typisch Frau", wenn eine Frau an der Macht mal reüssiert - Angela Merkel etwa? Aber nein. Warum auch?

Was an Ypsilantis Scheitern "typisch Frau" sein soll, hat die notorische Gertrud Höhler in der Bild-Zeitung zu erklären versucht. Au Backe. Selten so ein unverständliches Geraune lesen müssen. Nicht, dass ich Aufklärung erwartet hätte, aber - irgendwie hatte ich gedacht, dass zumindest "Verständlichkeit" eine Kategorie in der Bild ist, wenn auch auf Kosten von allem anderen, was uns Journalisten lieb und teuer ist. Übrigens: Ja, ich lese die Bild-Zeitung hin und wieder. Man muss wissen, was Millionen Menschen täglich lesen, was also ihre "Informations"-basis ist, wie sie also möglicherweise zu bestimmten Ansichten, Meinungen und Wahlentscheidungen kommen. Und ich finde es hochinteressant, was da ein Ex-Herausgeber der FAZ (Müller-Vogg) so schreibt, oder eben Frau Höhler. Wenn sie es es selbst geschrieben hat, dann war sie bemerkenswert unklar, hat aber das übliche Bild-Ressentiment erstaunlich gut rübergebracht. Ist das jetzt ihr Niveau, frage ich mich? Und wenn es ein Bild-Redakteur für sie geschrieben hat, dann - Hut ab vor dieser Persiflage auf die akademische Denkungsart. Naja, es gibt halt doch immer noch eine Menge zu lachen auf diesem Planeten.

Dienstag, 18. November
(Bremen) Im Heartbreak Hotel würdig in den 40. hineingetanzt. Und gleich aus der zentralen Alterszielgruppe der Bar herausgetanzt, höhö. (Etwa eine Stunde lang stand ein netter Türke neben mir, total betrunken, und hauchte immer nur: "40?! Nee!! 40?! Nee!" Als ich ihn bat, doch mal die Platte zu wechseln, sprach er nach eine halben Stunde schwankenden Grübelns den Satz: "Wir leben, übrigens, in einer Diktatur", worauf sich eine interessante demokratietheoretische Diskussion entspann. Irgendwann gaben wir heiser und erschöpft auf, prosteten uns mit lecker Becks zu und jeder ging tanzend seines Wegs. Nette Bar, das, und, ja, sie hat wirklich sehr, sehr lange geöffnet. Morgens um fünf die Stufen zum Maritim erklommen. Eine Flugzeugcrew enterte gerade die Taxis auf dem Weg zum Flughafen auf. Meine Güte, sahen die frisch aus. Ich übrigens auch. Es geht nichts über eine durchtanzte Nacht. Klammer zu.)

Donnerstag, 13. November
(Mannheim) Er raucht. Und er fährt Ford. OhMeinGottOhMeinGott. Wohin soll das führen?

Mittwoch, 5. November
(Cork, Irland) In Irland fährt man nicht Bus. Wer sagt "Ich bin mit dem Bus gefahren", erntet als Reaktion eine Mischung aus Mitleid und Entsetzen, die bemerkenswert ist. Was ist so schlimm am Bus? Er kommt (das ist schon mal gut), ist sauber, riecht gut und kostet 1,45. Was will man mehr?

Nun, offenbar fällt Busfahren in Irland in die gleiche Kategorie wie, sagen wir, Leihbüchereien. Sie haben was mit Armut zu tun, jedenfalls für manche Leute. Also, wer was auf sich hält, kauft seine eigenen Bücher. Und fährt sein eigenes Auto. Steht im Auto im Stau, tankt selbst, fährt selbst in die Waschanlage, verpestet die Umwelt - nur, um nicht als arm zu gelten. Tscha, this is social categorizing.


 

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(c) Annette Leßmöllmann