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sheego.com 26/2001

Achtung Anlageberater

Rentenreform - und schon stehen sie auf der Matte: Anlageberater, die Ihnen einen Vertrag zur privaten Altersvorsorge verkaufen. Finanzexperte Volker Pietsch von der Berliner Verbraucherzentrale hat für sheego die wichtigsten Fragen beantwortet.

von Annette Leßmöllmann

Wer darf sich "Anlageberater" nennen?

Jeder. Es gibt keine klares Berufsbild. Kanzler Schröder hat sein Versprechen noch nicht wahrgemacht, hier mal Klarheit zu schaffen. Problem: Weite Teile der Bevölkerung kennen sich viel zu wenig aus, um beurteilen zu können, was der Berater vorschlägt.

Welche Berufsausbildung hat denn ein Berater?

Während bei Insitutionen wie Banken und Versicherungen ausgebildete Bank- oder Versicherungskaufleute arbeiten - mit dreijähriger Lehrausbildung oder sogar einem Betriebswirtschaft-Studium - haben die "Klinkenputzer" oft nur einen Crashkurs mitgemacht und wissen kaum mehr als die Leute, denen sie etwas verkaufen wollen.

Und wenn der Anlageberater an der Tür klingelt...

.... reagieren Sie bitte mit äußerster Vorsicht! Seien Sie misstrauisch, wenn der Berater Ihnen Fragen stellt, die Sie nur mit "Ja" beantworten können - nach dem Motto: "Wollen Sie nicht auch in Zukunft mehr Geld haben, Frau Schulze?" Wir warnen vor dieser Art "Beratung", die dem Anleger nicht gerecht wird.

Wie kann man sich schützen?

Ganz wichtig ist: Sich nie unter Zeitdruck setzen lassen. Und: Nie sofort unterschreiben. Am besten lassen Sie jedes Angebot immer von einer unabhängigen Stelle prüfen - zum Beispiel von einer Verbraucherzentrale. Und die Geldanlageprodukte sollten zusätzlich mit den Geldanlageprodukten der Stiftung Warentest verglichen werden.

Wo gehe ich hin, wenn ich mich beraten lassen will?

Neben Banken und Lebensversicherern gibt es natürlich auch Finanzberater und -beraterinnen. Auch hier empfiehlt es sich, über die Angebote einmal "darüber zu schlafen". Ein guter Berater lässt Ihnen die Zeit! Gut ist es auch, eine zweite Meinung einzuholen oder nochmal bei der Verbraucherzentrale nachzufragen.

Woran erkenne ich einen seriösen Berater?

An seinen Fragen! Bevor er eine Anlagestrategie entwirft, muss er zum Beispiel wissen, wie hoch Ihre Ersparnisse sind und wo Sie Ihr Geld bislang angelegt haben. Er muss Bonität und Einkommen prüfen, so dass er nur Konzepte erstellt, die Sie nicht finanziell überfordern. Dann soll er Sie detailliert nach Ihren Zielen fragen - Altersvorsorge zum Beispiel - und er muss prüfen, ob sie realistisch sind. Ebenso wichtig: Die Frage nach Ihrer Risikobereitschaft. Das Wertpapierhandelsgesetz schreibt ihm außerdem vor, dass er Sie über die Risiken der verschiedenen Anlageformen aufklärt.

Was darf die Beratung kosten?

Manche Berater bieten kostenlose Erstgespräche an, bei manchen kostet es etwas. Dieses hängst vom Unfang der Geldanlageberatung ab. Hier gibt es keine Richtlinien, keine Gebührenordnung wie beim Rechtsanwalt. Hier gilt jedoch: Der Berater muss seine Preise transparent - schriftlich - offenlegen (Preisgabenverordnung).

 

(c) Annette Leßmöllmann