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sheego.com 19/2001

Börse: Freundinnen mit Gewinn

Investmentclubs machen Spaß und sind lukrativ für alle. Wir verraten, wie das am besten geht.

von Annette Leßmöllmann

Sie nennen sich "Dagoberts Töchter", "Hexensabbat" oder einfach "Die Aktionärinnen". Etwa 300 reine Frauen-Investmentclubs gibt es mittlerweile in Deutschland, schätzt die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Tendenz: stark steigend. Wollen Sie mit Ihren Freundinnen auch einen gründen? sheego-Finanzexpertin Marion Weichert-Prinz erklärt, wie das geht und worauf Sie achten sollten.

Wie groß sollte der Club sein?

Für ein lebendiges Clubleben sollten sich mindestens 20 Frauen zusammentun. Die Obergrenze liegt bei 30, denn bei mehr Mitgliedern würde der Club steuerpflichtig. Und: Mit zu vielen Leuten könnte die Sache schnell unübersichtlich werden. Zu wenige Mitglieder sollten es allerdings nicht sein. Denn der Club braucht genügend Startkapital, damit sich ein Börsenengagement für alle lohnt.

Wer kann mitmachen?

Suchen Sie Gleichgesinnte, die ähnlich risikobereit sind wie Sie. Freundinnen, Bekannte, Nachbarinnen... ganz egal, wichtig ist: Jede sollte bereit sein, sich regelmäßig mit den anderen zu treffen, mitzuarbeiten und auch gemeinschaftliche Aufgaben zu übernehmen (Geschäftsführerin, Protokollantin, Kassenprüferin). Von Vorteil: Wenn sich Mitglieder im Börsengeschäft auskennen.

Welche Rechtsform ist geeignet?

Gründen Sie eine "Gesellschaft bürgerlichen Rechts" (GbR). Vorteil gegenüber einem Verein: Ihr Club umgeht die Steuerpflicht. Darüber hinaus können in einer GbR alle Mitglieder Konto- bzw. Depotinhaber werden und müssen nicht jemanden bestimmen. Musterverträge gibt es bei der DSW.

Wo eröffnet man das Depot?

Suchen Sie sich eine Bank, die zu günstigen Konditionen ein Depot für Investmentclubs anbietet (rechnen Sie mit ca. 15 Mark im Jahr). Informieren Sie sich vor der Gründung bei mehreren Banken; eventuell können Sie bei den Konditionen handeln. Sie brauchen dazu auch noch ein Girokonto. Manche Banken bieten das für Clubs kostenlos an.

Was passiert bei den Clubtreffen?

Sie treffen sich monatlich und informieren sich gegenseitig über Branchen, Länder oder Produkte der Unternehmen, in die sie investieren wollen. Tipp: Jedes Mitglied spezialisiert sich auf einem Gebiet. Und: Laden Sie auch mal einen Spezialisten zum Vortrag ein. Bilden Sie darüberhinaus einen Anlageausschuss von fünf bis sieben Frauen (ungerade Zahl, damit es bei Abstimmungen kein Patt gibt). Der Ausschuss trifft sich häufiger, kann wegen seiner Größe vergleichsweise schnell und aktuell entscheiden. Bei den Clubtreffen informiert er die anderen Mitglieder. Alle halbe Jahre wird ein neuer Ausschuss gebildet, damit jede mal drankommt.

Wieviel Einlage muss sein?

Jede der Frauen sollte einmalig zwischen 200 und 1 000 Mark einzahlen. Dann leisten alle monatlich einen Beitrag. Das können auch nur 50 Mark sein. Aber: Der Club sollte jeden Monat mindestens über 1000 Mark Kapital verfügen, damit er sinnvoll investieren kann und in der Lage ist, das Verlust-Risiko durch eine breitere Streuung zu minimieren.

Werden die Gewinne ausgezahlt?

Zumindest nicht in der Anfangszeit. Denn das Kapital sollte langfristig angelegt werden. Ihre Gewinne - oder Verluste - stehen also einige Jahre nur auf dem Papier. Sie können sich bei der Gründung einigen, wann die Auszahlung erfolgen soll. Zehn Jahre sind eine sinnvolle Zeitspanne. Wer vorher ausscheidet, erhält sein Geld natürlich sofort.

 

(c) Annette Leßmöllmann