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Die Zeit 47/2002
Offline-Banking
Die Hamburger Sparkasse ist eine Art Volksbank, die an jeder Ecke eine Filiale hat und sich um jede Omi rührend kümmert. Deswegen bin ich auch noch bei der Haspa, trotz horrender Girokonto-Kosten - denn wenn ich mal Omi bin, will ich auch, dass man sich um mich kümmert. Zugegeben, mein Spargeld liegt bei Online-Banken wegen der Zinsen, und außerdem macht es Spaß, am Rechner sein Vermögen hin und her zu schichten, anstatt Papierfetzen zur Bank zu tragen und schlechte Luft zu atmen.
Online-Banking, das will ich jetzt bei der Haspa auch. Ich konfrontiere meinen Lieblingsbankangestellten mit diesem Bedürfnis, und er reagiert, als hätte ich den Wunsch geäußert, ab sofort nur noch mit 20 Skorpionen zu nächtigen: Nur der Kranken nicht widersprechen! Bitte sehr, wenn Sie unbedingt wollen, dann schicke ich Ihnen gern die Unterlagen zu.
Tatsächlich kommt nach einer Woche ein großer Umschlag mit einem Haufen Instruktionen, die hauptsächlich dafür gedacht sind, mich abzuschrecken. Man muss sich bei der Haspa quasi bewerben um die Ehre, am Online-Banking teilzunehmen. Der folgende Papierkrieg läuft selbstverständlich nicht online, sondern über die Post, und meine ultimativen Freischaltcodes, mit denen ich dann endlich zum ersten Mal zum Rechner schreiten kann, kommen auch nicht per E-Mail (das wäre, glaube ich, einfach zu einfach).
Und jetzt geht alles ganz simpel: Man legt eine leere Diskette ein, generiert einen Sicherheitsschlüssel auf dieser Diskette, indem man sich durch die verschiedenen Formulare bei Haspa-Online klickt (die man mithilfe einer nur einstündigen Lektüre der gedruckten Instruktionen auch schnell versteht). Dann druckt man alles aus und bringt es unterschrieben persönlich bei der Bank vorbei ("Sie können es eventuell auch mit der Post schicken"); das ist für die Leute gedacht, die partout nicht davon lassen können, ständig zu ihrer Bank zu laufen.
Leider klappt irgendwas nicht. Bevor ich das Formular ausdrucken kann, heißt es auf dem Bildschirm: "Die Verbindung mit dem Bankrechner kann nicht hergestellt werden." Ich rufe die Hotline an (immerhin, es gibt eine Hotline). "Haben Sie eine Firewall oder einen vernetzten Rechner?", fragt die Dame streng. Nein, habe ich nicht. "Sie müssen das Ganze jetzt auf jeden Fall noch einmal ganz von vorne machen."
Großartig, wie einem eine derartig niederschmetternde Nachricht mit dem Brustton der Überzeugung überbracht wird. So, als sei man selbst schuld. Stimmt, ich bin selbst schuld. Man soll Omis nicht zum Online-Banking überreden. Schon gar nicht die Omi Haspa. Übrigens, lässt mich die Servicedame wissen, warum kommen Sie nicht in der Filiale Mönckebergstraße vorbei, und wir machen das dort gemeinsam? Das ist doch viel einfacher!"
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